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Faszinierende Figuren: Sebastian Feydt über Hugo Hahn

„Menschenliebe und Klarheit“

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A­MALS: Wie sind Sie auf Hugo Hahn gestoßen?
Sebastian Feydt: Als ich an meinem ersten Tag als neuer Pfarrer durch die Frauenkirche geführt wurde, kam ich an einem Relief vorbei, das die Gesichtszüge von Hugo Hahn zeigt. Dies hat ein Künstler nach dem Wiederaufbau der Kirche im Treppenaufgang C gestaltet. Während meines Studiums waren für mich Figuren wie Dietrich Bonhoeffer oder Martin Luther King prägend. Hugo Hahn sagte mir damals noch wenig.

DA­MALS: Was hat Sie an ihm beeindruckt?
Sein Lebenslauf: Wie er aus dem Baltikum nach Deutschland geflüchtet ist – 1919 war dort sein Bruder von den Bolschewiki ermordet worden – und nach Stationen im thüringischen Eichsfeld und an der Thomaskirche in Leipzig 1930 Pfarrer hier an der Frauenkirche wurde. Er war ein begnadeter Theologe mit einem klaren lutherischen Profil und sprach die Menschen zutiefst an. Wenn er in der Frauenkirche „Bibelarbeiten“ anbot, also werktags Bibeltexte auslegte, kamen 800 bis 1000 Leute.

DA­MALS: Er hat sich gegen die Vereinnahmung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens durch das NS-Regime gewehrt?
Hahn entwickelte sich in dieser Zeit vom lutherischen zum politischen Theologen. Er gehörte zu den Gründern des Pfarrernotbundes und hielt die Predigt im Eröffnungsgottesdienst der Bekenntnissynode von Barmen, bei der sich 1934 die Bekennende Kirche konstituierte. In theologischen Grundfragen blieb er klar auf Kurs. Und er wandte sich strikt gegen die angeordnete Umbenennung der Frauenkirche in „Dom der deutschen Christen“. 1938 wurde er daher des Landes verwiesen.

DA­MALS: Nach dem Krieg stellte sich Hahn erneut gegen Eingriffe des Staates – diesmal gegen das SED-Regime?
Die Sowjets ließen ihn erst 1947 zurückkehren. 1945 hatte er bereits für Sachsen das Stuttgarter Schuldbekenntnis unterzeichnet. Er wurde sofort in das Amt des sächsischen Landesbischofs gewählt. Mit Gründung der DDR hatte der Bischof verstärkt mit politischer Indoktrinierung zu kämpfen, die Behinderung der evangelischen Jugendarbeit war Teil der SED-Politik. Für den Wiederaufbau der Frauenkirche gab es keine Unterstützung des Staates. Dies war eine schwierige Zeit für ihn – der Druck war enorm, von außen durch die neuen Machthaber und von innen, weil man um ein erneuertes Mitein‧ander ringen musste.

DA­MALS: Ist er für Sie ein Vorbild?
In der politischen Auseinandersetzung rund um die Frauenkirche – man denke an die Aufmärsche der Pegida, die die Frauenkirche als eine Art Hintergrund zu nutzen versucht – kommt mir seine Persönlichkeit immer näher. Er verband Menschenliebe und politische Klarheit miteinander, ohne sich dabei zu verbiegen. Wie kann man heute das Auseinanderreißen der Gemeinschaft verhindern? Hier lerne ich immer wieder von Hugo Hahn.

Interview: Stefan Bergmann

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DAMALS  01 / 2018

DAMALS Ausgabe 01/2018

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