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Gunnar Manz

Roms Aufstieg zur Weltmacht – Das Zeitalter der Punischen Kriege

Springer Verlag, Wiesbaden 2017, 864 Seiten, Buchpreis € 39,99, DAMALS 11 / 2017
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ass ein Paradethema wie die Punischen Kriege auf dem deutschsprachigen Buchmarkt seit Jahrzehnten nahezu brachliegt, lässt aufhorchen und bedarf der Erklärung. Lediglich ein Band aus der Reihe „Geschichte kompakt“ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft widmet sich dem Jahrhundertkonflikt zwischen der Landmacht Rom und der Seemacht Karthago explizit. Ein weiteres Werk aus der Feder des Wiener Althistorikers Herbert Heftner („Der Aufstieg Roms. Vom Pyrrhoskrieg bis zum Fall von Karthago“. Regensburg 2005) hat immerhin grob die Epoche zum Gegenstand. Hat die Unlust, sich auf die drei Kriege einzulassen, welche die Mittelmeer-Welt zwischen 264 und 146 v. Chr. erschütterten, etwas mit den hierzulande hartnäckigen Vorbehalten gegen Militärgeschichte zu tun?

Wie dem auch sei: Gunnar Manz hat sich jetzt an das hochkomplexe Thema herangewagt und ein stattliches Opus von immerhin fast 900 Seiten vorgelegt, durch Anmerkungen und Bibliographie säuberlich erschlossen. Manz beginnt mit einem ausführlichen Kapitel zu den Quellen. Neben den Hauptgewährsleuten wie Polybios und Diodor erfährt der Leser auch etwas über eher abseitige Chronisten wie Coelius Antipater und Justin.

Daran schließen auf knappem Raum zwei parallele Geschichten der Mächte Karthago und Rom an: von ihren Ursprüngen bis zur Errichtung der Hegemonie über das westliche Mittelmeer bzw. Italien. Manz schenkt den in ihrer Historizität schon lange umstrittenen vier Verträgen zwischen Rom und Karthago viel quellenkritische Aufmerksamkeit. Von ihnen verbannt er nur den „Philinos-Vertrag“ ins Reich der Fabeln.

Der bei weitem umfangreichste Teil des Buches gilt den Kriegen selbst. Für alle Auseinandersetzungen untersucht Manz jeweils ausführlich die Schuldfrage, bevor er sich dann – auf außerordentlich breitem Raum – den militärgeschichtlichen Details zuwendet. Relativ knapp – für diesen Rezensenten zu kursorisch – werden die Zeitabschnitte zwischen den Kriegen abgehandelt, in die aber jeweils wichtige Weichenstellungen fielen, die der Entwicklung Roms zur mediterranen Hegemonialmacht entscheidend die Richtung vorgaben. Hier liegt die Achillesferse des in militärgeschichtlichen Dingen bestens bewanderten Verfassers: Die politische, ja nachgerade globalhistorische Dimension der Konflikte interessiert ihn nur am Rand.

Wer sich über Akteure, Kriegshandlungen und -schauplätze informieren möchte, wird bei Gunnar Manz fündig, und was er geboten bekommt, hat durchaus Niveau. Vielen seiner quellenkritischen Erörterungen kann der Verfasser erhebliche Plausibilität verleihen, und das ist keineswegs wenig. Wer indes nach mehr sucht als nach einem so material- wie faktenreichen Porträt der Kriege, wem es um ein Porträt der Epoche geht, der greife besser zu Heftners gediegener Prosa oder, noch besser, zu dem von Dexter Hoyos herausgegebenen „A Companion to the Punic Wars“ (Hoboken 2015).

Prof. Dr. Michael Sommer

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