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Peter Theiner

Robert Bosch – Unternehmer im Zeitalter der Extreme. Eine Biographie

Verlag C. H. Beck, München 2017, 504 Seiten, Buchpreis € 29,95, DAMALS 11 / 2017
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er schwäbische Unternehmer Robert Bosch (1861–1942) war eine Ausnahmeerscheinung. Es verwundert daher nicht, dass er immer wieder das Interesse von Biographen auf sich zieht. Der Erste in dieser Reihe war der spätere Bundespräsident Theodor Heuss, der schon 1946 eine grundlegende und auch heute immer noch lesenswerte Studie vorgelegt hat. Nach Werken, die sich besonders Boschs Widerstand gegen Hitler bzw. seinem Unternehmen widmen, legt Peter Theiner, Historiker und bei der Robert Bosch Stiftung tätig, nun eine weitere Biographie vor.

Aus einer großbäuerlichen Familie von der Schwäbischen Alb stammend, machte Bosch eine Lehre und gründete 1886 in Stuttgart eine „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“. Die Firma, zunächst kaum mehr als ein spezialisierter Gemischtwarenladen, wurde durch den Bau von ständig verbesserten Magnetzündern vor dem Hintergrund des kometenhaften Aufstieg des Automobils zu einem Großunternehmen.

Bosch unterstützte lange Zeit SPD-Abgeordnete finanziell und wählte sozialdemokratisch. Es war daher wenig verwunderlich, dass er unter dem Beinamen „der rote Bosch“ bekannt war. Dennoch war er ein recht typischer Patriarch. Er forderte Leistung und bot im Gegenzug soziale Absicherung als besten Anreiz für die Motivation seiner Arbeiter. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war Bosch, wie die überwältigende Mehrheit der Deutschen, ein Gegner des Versailler Vertrags, aber anders als viele seiner Standesgenossen wendete er die traumatischen Erfahrungen des Kriegs ins Positive.

Als ein der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) nahestehender Linksliberaler verteidigte er die Republik gegen Angriffe von rechts. Politisch schwamm er damit gegen den Strom der Zeit. Sein ungebrochener Fortschrittsoptimismus schien ins 19. Jahrhundert zu gehören; jedenfalls wirkte er in den Jahren der Weimarer Republik merkwürdig antiquiert. Bosch warb beständig für den Ausgleich mit der Sozialdemokratie und für eine deutsch-französische Verständigung. In den engsten Kreisen um Bosch gab es eine signifikante Verbindung zwischen liberalen Überzeugungen und kaufmännischer Weltoffenheit.

Dem Aufstieg Hitlers musste Robert Bosch ohnmächtig zusehen. Der württembergische Reichsstatthalter Wilhelm Murr drohte 1933 gar, er werde die unliebsame „Nebenregierung Bosch“ beseitigen. Bemerkenswert blieben Boschs politische Aktivitäten, denn sein Unternehmen wurde eine Anlaufstelle für am Widerstand gegen den HitlerStaat Beteiligte. Die oppositionellen Handlungen reichten von der Hilfe für bedrängte Juden über Auslandsbeziehungen und „landesverräterische“ Nachrichtenweitergabe bis zur aktiven Teilnahme an der Verschwörung des 20. Juli 1944.

Dass sein Unternehmen dennoch immer stärker in den Strudel der Kriegswirtschaft hineingerissen wurde, hat Robert Bosch noch erlebt. Es ist sicherlich zutreffend, wenn Theodor Heuss später feststellte, es sei für den Unternehmer eine Gnade gewesen zu sterben, ohne die Konsequenzen der verbrecherischen Politik Hitlers noch erleben zu müssen. All dies beschreibt Peter Theiner in seiner gelungenen Gesamtschau anschaulich und differenziert genug, um einen breiten Leserkreis für den Ausnahmeunternehmer Robert Bosch interessieren zu können.

Prof. Dr. Joachim Scholtyseck

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