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Bötefür, Markus

Elefantengedächtnis – Eine Kulturgeschichte des Elefanten

Vergangenheitsverlag, Berlin 2011, 143 Seiten, Buchpreis € 14,90, DAMALS 04 / 2012
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lefanten faszinieren seit Jahrtausenden. Ihre gewaltigen Rüsselkörper haben selbst Menschen erregt, die diese größten aller Landtiere nur durch Erzählungen oder Abbildungen kennenlernten. Von den frühgeschichtlichen Mammuts bis zu ihren afrikanischen und südostasiatischen Nachfahren nutzte man die grauen Riesen als Nahrungsquelle, Arbeitskraft und Elfenbeindepot.

Mancherorts rangierten Elefanten als Symbole politischer Macht, man verehrte sie als Götter, rühmte ihre Weisheit und Stärke. Doch menschliche Übermacht missbrauchte die Dickhäuter auch als Kriegsmaschinen, entwürdigte sie zu circensischen Schauobjekten, vermenschlichte und verniedlichte sie in Filmen, Comics und Kinderbüchern.

Markus Bötefür, studierter Historiker und Kenner Thailands, wo der Autor einige Jahre als Hochschullehrer arbeitete, präsentiert ein Buch, das von der Steinzeit bis zu den aktuellen Artenschutzdebatten reicht. Bötefür entfaltet mit einer Fülle seltener Quellen und Abbildungen ein facettenreiches Bild der ambivalenten Rollen und Verwandlungen, denen Elefanten in ihrer langen Geschichte ausgesetzt waren und sind. Die Zeitreise führt von der Ur- und Frühgeschichte über An‧tike und Mittelalter bis hin zu den Problemen, die aus der Haltung der Dickhäuter in Menagerien, Tiergärten und Zirkussen resultieren.

Man erfährt einiges über die außerordentliche kulturelle und religiöse Bedeutung dieser Wesen im Hinduismus, den himmlischen Ursprung der indischen „Wolkentiere“, den elfantenköpfigen Gott Ganesha, zudem über ihre Verehrung im Buddhismus, etwa die sagenhaften weißen Elefanten der siamesischen und birmesischen Könige. Sie sind, wie das „Kopchalak“ (Buch von den Wesenszügen des Elefanten) ausweist, in Wahrheit lotusfarben und müssen sieben Attribute besitzen, um als „weiß“ gelten zu können.

Ein spezielles Kapitel ist der Literaturgeschichte des Elefanten gewidmet. Sie reicht von Rüsselgeschichten in frühen Reiseberichten über Jules Vernes stählernen Dampfelefanten bis zu Kiplings Kala-Nag-Story und den Kinder‧elefanten des 20. Jahrhunderts: Brunhoffs „Histoire de Babar“ (leider als „Barbar“ präsentiert), Benjamin Blümchen und der fliegende Dumbo.

Die neuesten Elefanten-Erzählungen von Jorge Bucaydes oder Katja Brandis und der historische Roman von José Saramago, der die Reise des Elefanten Salomon im Jahr 1561 von Lissabon nach Wien beschreibt, sind Zeugnisse der andauernden Faszination für die Dickhäuter, die wie Archetypen im kollektiven Unbewussten der Menschheit verankert zu sein scheinen. „Elefantengedächtnis“, der wunderbar vieldeutige Titel des kleinen, aber informativen Buches kann, wie das Schlusskapitel über Elfenbein und Artenschutz darlegt, auch fast schon als Nachruf gelesen werden.

Prof. Dr. Paul Münch

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DAMALS  06 / 2013

DAMALS Ausgabe 06/2013

200 Jahre Völkerschlacht

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