Primus Verlag, Darmstadt 2011, 191 Seiten, Buchpreis € 24,90, DAMALS 02 / 2012
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n den Medien wird heute oft die vermeintliche Zunahme der Kriminalität beklagt. Doch diese Klage ist nicht neu. Auch in früheren Zeiten wurde Kriminalität als ein Hauptproblem der Gesellschaft angesehen. Der spannenden Frage, wie sich Strafverfolgung, Strafvollzug und Resozialisierung im 19. Jahrhundert gestaltet haben, geht Heike Talkenberger nach. Besonders authentisch wird ihr Buch dadurch, dass sie sich nicht auf die theoretische Analyse beschränkt, sondern die Situation anhand zahlreicher Beispiele veranschaulicht. Wenn sie fragt, wie man überhaupt zum Verbrecher wird, lässt sie ebendiese erzählen. Und der Vorstellung der Reformansätze des Strafvollzugs lässt sie ausführliche Schilderungen des Alltags im Gefängnis folgen. Drei kriminelle Karrieren stellt Heike Talkenberger beispielhaft vor: zwei Männer, die sich Diebstähle und Betrügereien zuschulden kommen ließen, und eine Frau, die wegen Kindsmords zum Tod verurteilt, dann aber zu 15 Jahren Kettenhaft begnadigt wurde. Dabei erfährt man in diesen Lebensläufen und in den anderen Quellen viel über die Ursachen der Kriminalität in der Gesellschaft. Reizvoll ist der Fokus auf den Reformansätzen des Strafvollzugs mit dem Ziel der „Besserung“ der Sträflinge. Die Haft als Vorbereitung auf ein Leben in Freiheit – auch dieser Gedanke ist gar nicht so neu, wie man meinen könnte.
Uwe A. Oster