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Reiner, Matthias

Königin Luise – Bilder und Briefe

Insel Verlag, Berlin 2016, 120 Seiten, Buchpreis € 16,00, DAMALS 11 / 2016
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N

icht nur ihre Zeitgenossen waren von Königin Luise von Preußen begeistert: Ihre Natürlichkeit, ihr Liebreiz und ihre Intelligenz beeindruckten sogar einen Feldherrn wie Napoleon I., der sie als eine Frau von Geist und Haltung, ihrem Gemahl weit überlegen, bezeichnete. Mit ihm war Luise 1807 zusammengetroffen, um das politische Schicksal des von Frankreich besiegten Preußen zu mildern – vergeblich (vgl. DAMALS 4-2010).

Aber nicht die politische Luise, die später gar als nationale Ikone stilisiert wurde, sondern Luise ganz privat steht im Mittelpunkt eines Bandes, den der Literaturwissenschaftler Matthias Reiner zu ihrem 240. Geburtstag herausgegeben hat. Den Einband des schön aufgemachten Bandes zeigt auf kostbar wirkendem blauem Grund eine goldene Borte und eine Stickerei. Gut vorstellbar, dass die Königin Stoffe dieser Art getragen hat. Das Büchlein hat so den Anschein eines geheimen Albums, das neugierig macht und zum Entdecken auffordert.

In fünf Zeitabschnitten nimmt es den Leser auf eine Reise in die Vergangenheit mit. Von Luises Geburt in Hannover über ihre Jahre in Berlin und Potsdam, der Flucht nach Königsberg und ihrem frühen Tod in Hohenzieritz begleitet man die ehemalige mecklenburgische Prinzessin auf ihrem Lebensweg. Im Kapitel „Ich bin, ach! ein unvollkommenes Wesen, 1776 –1793“ ist zu erfahren, dass Luise Hochdeutsch mit hessischen Dialektanklängen sprach. Abbildungen ihrer Eltern, ihrer Großmutter, bei der sie aufwuchs, und ihrer Erzieherin, der Rousseau-Anhängerin Salomé de Gélieu, zeigen ein lebendiges Bild ihrer frühen Jahre, die geprägt waren von natürlicher Leichtigkeit, Freiheit und Verständnis.

Durch ihre umfangreiche Korrespondenz bekommt der Leser einen tiefen Einblick in Luises Gedankenwelt. Wie sprach sie den Mann an, mit dem sie verheiratet werden sollte? Welche Gedanken brachte sie auf das Papier, als sie mehr als Zuneigung für den preußischen Prinzen verspürte? Die Abschnitte „Unwandelbar Luise, 1793 –1797“ und „Glücklich zu machen, macht auch glücklich, 1797–1805“ befassen sich eingehend mit der junge Prinzessin, die zur Königin Preußens wurde und zunächst sehr erfüllte Jahre erlebte.

Die Nachwirkungen der Französischen Revolution begleiteten Luise. Die letzten beiden Passagen „Wenn nicht ein Wunder uns rettet, 1805 –1809“ und „Fürchte Dich nicht, ich sterbe nicht, 1809 –1810“ lassen den Leser teilhaben an den schweren Jahren Luises im Angesicht der französischen Bedrohung, aufgrund derer sie nach Ostpreußen fliehen musste, sowie ihrer Erkrankung. Mittels reichen Brief- und Bildmaterials werden diese Lebensphasen anschaulich dargestellt. Ein sehr gelungenes, lebendiges Werk, das man sicher nicht nur einmal zur Hand nimmt.

Silvia Friedrich

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DAMALS  01 / 2018

DAMALS Ausgabe 01/2018

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