Deutsche Verlags-Anstalt, München 2012, 347 Seiten, Buchpreis € 24,99, DAMALS 05 / 2012
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ngebildet und roh, kämpferisch und sittsam, so seien die Germanen. Der dies in seiner Schrift „Germania“ behauptete, der römische Konsul und Schriftsteller Tacitus, hat jedoch den Norden nie gesehen. Dennoch hat seine Schrift das Bild von den Deutschen über Jahrhunderte geprägt. Der in Harvard lehrende klassische Philologe Christopher B. Krebs hat eine Rezeptions- und Wirkungsgeschichte dieses wichtigen Buchs vom Humanismus bis zum Nationalsozialismus vorgelegt.
Krebs beginnt seine flüssig geschriebene Darstellung jedoch zunächst mit der Ausleuchtung der Entstehungshintergründe der „Germania“ und legt ihren politischen, auf die römischen Verhältnisse zielenden Kern bloß. Nur in einem einzigen Exemplar überlebte die Schrift im „Codex Hersfeldensis“ und fand mit ihm im 15. Jahrhundert ihren Weg nach Italien.
Der Autor zeigt, wie der angebliche „Urtext der Deutschen“ in den folgenden Jahrhunderten immer neu interpretiert wurde und zum Zeugnis des „deutschen Geistes“ wurde. Allerdings gerät Krebs die Rezeptionsgeschichte der „Germania“ zu einseitig, wenn er seit dem 19. Jahrhundert lediglich die Suche nach den Wurzeln eines rassereinen „Deutschtums“ erkennen will. Krebs beginnt und endet mit dem vergeblichen Versuch Heinrich Himmlers, des Textes habhaft zu werden.
Dr. Heike Talkenberger