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Susan Signe Morrison

Frauen des Mittelalters – Künstlerinnen – Herrscherinnen – Denkerinnen

Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden 2017, 347 Seiten, Buchpreis € 28,00, DAMALS 01 / 2018
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ie Autorin Susan Signe Morrison, Professorin für Anglistik, stellt in ihrem Buch „Frauen des Mittelalters“ gut 20 Frauen aus der Zeit von etwa 500 bis 1500 ausführlich vor. Eingangs entreißt sie eher Unbekannte dem Vergessen: die „Wikingerbraut“ Gudrun und die „Entdeckerin“ Gudridur. Morrison bringt Quellen zu Hrotsvit von Gandersheim, Hildegard von Bingen, Heloisa von Argenteuil und Johanna von Orléans zum Sprechen. Historiker, Philologen und Interessierte wissen vielleicht noch Margareta von Schottland, Eleonore von Aquitanien, Anna Komnene und Marie von Frankreich einzuordnen.

Eingeschoben sind Kapitel zur Sprache, zum weiblichen Körper und zu „textilen Belangen“. Im laufenden Text erscheinen auch Kästen zu weiteren Frauen (Perpetua und Felicitas, Egeria, Katharina von Siena, Klara von Assisi und andere), zu Frauengruppen und zu bestimmten Begriffen (etwa Beginen, DNA-Beweis, Ernährung, Häresie, höfische Liebe, Japanerinnen, Kreuzzüge, muslimische Autorinnen). Zitate lockern den Text auf; Legenden zu Abbildungen werden mehrfach zu Exkursen erweitert. Der Ausblick „Aktuelle feministische Theorie und Frauen des Mittelalters“, ein Glossar und die Bibliographie (nur englischsprachige Titel) runden den Band ab.

Man möchte das Buch als modern konzipiert und vielseitig empfehlen, wären da nicht erhebliche Mängel. Zahlreiche Rechtschreib- und Sinnfehler sind wohl nur zum Teil vom Übersetzer bzw. Lektorat zu vertreten. Da wird die päpstliche Kurie zum „Pontifikat“; Geburts- und Todesdaten gelten als „notorisch unzuverlässig“. Vieles dürfte schon im englischen Text unbeholfen wirken oder unrichtig sein, etwa zum 3. Jahrhundert („als das Christentum eine abtrünnige Religion war“), zum Zweiten Vatikanischen Konzil („Zusammentreffen katholischer Führer“) oder zum Recht („während der Ehe war die legale Identität einer Frau mit der ihres Mannes verbunden“).

Mehrfach erweckt die Autorin den Eindruck, als habe sie Mitschnitte ihrer Vorträge unverändert übernommen: „Stellen Sie sich bitte für einen Augenblick vor, Sie wären ein Mädchen und lebten im 12. Jahrhundert“; oder: „Haben Sie je Tagträume gehabt?“ Es fallen Ausdrücke wie „knallharte Braut“ oder Ausrufe wie „Verdammt! Hätten wir doch alle ihren Mut“. Schließlich empfiehlt Morrison: „Browsen Sie durch …“

Zum „Browsen“ sehen sich die Leser am Ende der Kapitel unter „Erfahren Sie mehr“ aufgefordert. Es folgen Hinweise auf Webseiten, moderne Romane und Dramen, Filme, Videospiele und Musicals (auch zur Päpstin Johanna). Ein wohl gutgemeintes, aber falsches Beispiel: „Hören und sehen Sie die berühmte Oper ‚Walkürenritt‘ von Richard Wagner.“

Prof. Dr. Norbert Ohler

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DAMALS  02 / 2018

DAMALS Ausgabe 02/2018

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