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Sabrow, Martin

Erich Honecker – Das Leben davor: 1912 –1945

Verlag C. H. Beck, München 2016, 624 Seiten, Buchpreis € 27,95, DAMALS 01 / 2017
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ründungsvorsitzender der „Freien Deutschen Jugend“ in der Nachkriegszeit, Aufstieg in die SED-Führung in den 1950er Jahren, Architekt des Mauerbaus 1961, Partei- und Staatschef der DDR von Beginn der 1970er Jahre bis zur Friedlichen Revolution 1989 – der Lebensweg Erich Honeckers bietet viel Stoff für eine Biographie. Diese zu schreiben hatte sich vor einiger Zeit der Berliner Historiker Martin Sabrow, Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam, vorgenommen, jährte sich doch 2012 der Geburtstag Honeckers zum 100. Mal. Nun hat es ein paar Jahre länger gedauert, bis Sabrows „Erich Honecker“ erschienen ist.

Die Überraschung steckt dabei im Untertitel zu dem 624 Druckseiten umfassenden Opus: „Das Leben davor. 1912 –1945“. Welche bahnbrechenden neuen Erkenntnisse rechtfertigen so viele Buchseiten allein über den jungen Erich Honecker, der sich als kommunistischer Jugendfunktionär im Saarland sowie im Widerstand gegen den Nationalsozialismus seine politischen Sporen verdiente und von Dezember 1935 bis April 1945 im Zuchthaus eingesessen hatte?

Die neuen Fakten, die Sabrow zu Honeckers Biographie beisteuert, wirken auf den ersten Blick unspektakulär, in ihrer Relevanz ein wenig aus der Zeit gefallen. Sie beenden Kontroversen, die um Honeckers Lebenslauf geführt worden sind – vor 1989 als innerdeutsche publizistische Scharmützel und nach 1990 mit dem durchschaubaren Ziel, die Widerstandszeit des gestürzten Politikers zu entwerten.
Nein, es sind nicht die harten Fakten, die das Buch so unbedingt lesenswert machen. Es ist die große biographische Erzählung, die den Leser in ihren Bann zieht. Dafür hat Martin Sabrow historische Detektivarbeit ge‧leistet, die der Leser aus den Fußnoten nachvollziehen kann. Die aus den entlegensten Winkeln zusammengetragenen Mosaiksteinchen zu Honeckers Vita fügt Sabrow in ein Panorama ein, das die kommunistische (Jugend-)Arbeit in der Weimarer Republik sowie in der Illegalität des Nationalsozialismus auf bemerkenswerte Weise neu ausleuchtet.

Immer wieder gelingt es dem Autor, Schlüsselsituationen in Honeckers Jugendbiographie wie in einem Krimi zu verdichten, etwa seine Verhaftung durch die Gestapo 1935 oder seine zeitweilige Flucht aus dem Zuchthaus zehn Jahre später. Geradezu berührend sind die Passagen des Buchs, die Honeckers lebenslange Verbundenheit mit seiner saarländischen Heimat schildern. Martin Sabrow ist das Kunststück gelungen, eine gleicher‧maßen kritische wie respektvolle Biographie des jungen Erich Honecker zu verfassen. Sie macht Lust auf eine Fortsetzung.

Dr. Ulrich Mählert

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DAMALS  01 / 2018

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