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Geissbühler, Simon

Blutiger Juli – Rumäniens Vernichtungskrieg und der vergessene Massenmord an den Juden 1941

Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich 2013, 229 Seiten, Buchpreis € 26,90, DAMALS 07 / 2013
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er Schweizer Diplomat und Hobbyhistoriker Simon Geissbühler beschäftigte sich bereits in mehreren Bildbänden mit dem kulturellen Erbe und den Spuren jüdischen Lebens in Rumänien sowie den angrenzenden Gebieten. Die darin ausgedrückte persönliche Annäherung an diese vergessenen Erinnerungsorte trägt zur Vermittlung einer kaum wahrgenommenen Geschichte bei, war doch der Holocaust in Rumänien einer größeren Öffentlichkeit auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs über Jahre hinaus kaum bekannt. Für die Frühphase unmittelbar nach dem Überfall auf die Sowjetunion klafft allerdings bis heute vor allem für den rumänisch-sowjetischen Grenzraum auch in der Forschung eine Lücke, worauf Geissbühler zu Recht verweist.

Basierend auf historischen Quellen und wissenschaftlichen Studien, spürt der Autor den fassbaren Vorgängen und Orten des Geschehens nach. Er akzentuiert dabei besonders die Opferperspektive. Die Frage nach der jeweiligen Erinnerungskultur vor Ort ist für Geissbühler zentral. Entsprechend gestaltet sich der Aufbau des Buchs.

Dem von Geissbühler beabsichtigten wissenschaftlichen Anspruch wird die Studie jedoch nur beschränkt gerecht. Der Autor hat sich mit der Wahl seines Untersuchungsraums auf ein mehr als schwieriges Terrain begeben. Das betrifft vor allem die komplizierte Verflechtung der oft gegensätzlichen Erinnerungskulturen im rumänisch-sowjetischen (heute ukrainischen) Grenzgebiet. Auch ist die Quellenlage zu diesem Thema nicht leicht in ihrer ganzen Breite zu beherrschen; so lässt Geissbühler
eine ausgewogene Berücksichtigung und Darstellung der Archivsituation mit ihrer spezifischen Quellenlage vermissen. Zudem sind Aussagen und Zitate teilweise redundant.

Die gute Lesbarkeit, ergänzende Quellenausschnitte, die fotografische Dokumentation und der weiterführende wissenschaftliche Apparat stellen jedoch für den Einstieg in das Thema eine hinreichend gute Basis bereit.
Eine Übersetzung der populärwissenschaftlichen Studie für die breitere rumänische wie ukrainische Öffentlichkeit wäre wünschenswert. Insgesamt gründet die Stärke dieser engagierten Spurensuche wohl in der Fortsetzung der bilddokumentarischen Arbeiten des Autors.

PD Dr. Kurt Scharr

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DAMALS  07 / 2017

DAMALS Ausgabe 07/2017

Die Parther – Roms Rivalen im Osten

zum Titelthema

 Historische Bücher des Jahres 2012

Bereits zum 14. Mal hat DAMALS die historischen Sachbücher des Jahres ausgezeichnet. Renommierte Wissenschaftler und Fachjournalisten bildeten die Jury.