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Khayutina, Maria (Hg.)

Qin – Der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger

Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, 319 Seiten, Buchpreis € 59,00
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A

lles unter dem Himmel ist zu einer einzigen großen Familie geworden: Nie wieder wird sich ein Krieg erheben!“ Es war ein geradezu wahnwitziges Versprechen, das Qin Zheng 221 v. Chr. seinen Untertanen gab, und doch hatte er gute Gründe zu dieser Behauptung. Als erstem chinesischen Herrscher war ihm die Unterwerfung aller konkurrierender „streitender Reiche“ gelungen, wodurch er den Grundstein für das chinesische Kaisertum legte. Und auch im Tod beanspruchte der erste Kaiser eine herausragende Stellung für sich: Tausende aufwendiger Terrakottafiguren wurden mit ihm begraben, um ihm auch im Jenseits als Hofstaat und Leibgarde zu dienen.

Das Friedensversprechen Qins macht die Trennung des chinesischen vom europäischen Kulturkreis deutlich. Zur selben Zeit bekämpften sich nämlich Europa und die Diadochenreiche, und der Zweite Punische Krieg stand kurz vor dem Ausbruch. Noch heute erscheint die chinesische Geschichte dem Unkundigen wie ein anderes Universum. Einen Einblick in diese fremde Welt kann man in der Ausstellung „Qin – Der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger“ gewinnen, die vom 15. März bis zum 17. November im Bernischen Historischen Museum zu sehen ist. Die Begleitpublikation zu dieser Ausstellung schlägt den Bogen zu der Beschreibung der Qin-Grabanlage und der berühmten Terrakotta-Armee über eine generelle Einordnung der Qin-Dynastie in den chinesischen historischen Kontext und eine kurze Darstellung der vorhergehenden und nachfolgenden Dynastien der Zhou und Han.

Der Ausstellungskatalog ist in Kapitel zum Aufstieg der Qin, zu Kaiserreich und Grabanlage Qin Zhengs und zu dessen kulturellem Vermächtnis geteilt und wartet mit opulenten Abbildungen auf. Die Exponate werden ergänzt durch Aufsätze angesehener Sinologen und Historiker, die differenzierte Erläuterungen zu Politik und Gesellschaft des Qin-Staates anbieten, wie zum Beispiel zu der kulturellen Einigung durch die Vereinheitlichung der Schrift. Zahlreiche Schemata, Karten und Skizzen veranschaulichen die Texte. Das Hauptaugenmerk gilt natürlich den berühmten Tonfiguren, die hinsichtlich ihrer Ausrüstung, Haltung und Positionierung im Grab untersucht werden, um ihre Funktion im „Totenhofstaat“ Zhengs zu bestimmen. Beschreibungen zu Fertigung und Restaurierung der Figuren runden den Band ab.

Die umfassende Publikation ist mehr als ein bloßer Begleitkatalog. Die Fachaufsätze geben einen exzellenten Überblick über Verlauf und Charakter der Qin-Herrschaft, während die hochwertigen Fotographien das ansonsten nur Beschriebene greifbar machen. Auch ohne Besuch der Ausstellung kann „Qin – Der unsterbliche Kaiser und seine Terrakottakrieger“ jedem nur empfohlen werden, der einen Einstieg in die frühe chinesische Geschichte sucht.

Alexander Tullius

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