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Hosfeld, Rolf

Tucholsky – Ein deutsches Leben. Biographie

Siedler Verlag, München 2012, 319 Seiten, Buchpreis € 21,99, DAMALS 07 / 2012
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urt Tucholsky, der 1890 in Berlin geboren wurde und 1935 in Schweden an einer Überdosis Schlafmittel starb, ist ein dankbarer Protagonist für eine Biographie. In seinem Leben wimmelte es nur so von politischen Dramen, privaten Problemen und Zeugnissen ihrer Verbindung in künstlerischer Zeitzeugenschaft. Tucholsky kommentierte die Gesellschaft und die große Politik des späten Kaiserreichs und – zusammen mit Siegfried Jacobsohn und Carl von Ossietzky in der „Weltbühne“ – der Weimarer Republik so scharfsinnig wie kaum ein anderer.

Der Berliner Publizist Rolf Hosfeld widmet Kurt Tuchols-ky jetzt eine Biographie, in der er es sich zur Aufgabe gemacht hat, das publizistisch-politische Wirken und die private Seite seines Protagonisten miteinander zu verbinden. Sein Rückblick auf Tucholskys Leben setzt die Geschichte des Privatmanns – „im Persönlichen stets der Meister des Ungefähren“, wie Hosfeld schreibt – mit der öffentlichen Person und seiner ungeheuren Sprachkraft in Beziehung.

Akribisch zeichnet Hosfeld Tucholskys Herkunft und sein Elternhaus in Berlin, seine Zuneigung zu Norddeutschland, seine Schulzeit und Jugend im wilhelminischen Deutschland nach, um dann in zwei Erzählsträngen den Privatmann und den politischen Publizisten parallel zu führen.

Zusammengehalten werden diese beiden Erzählstränge durch Tucholskys radikale Zivilität, die sich gegenüber jedweder Unterordnung unter politische Institutionen, Ideologien und überhaupt unter Ansprüche von außen sperrig zeigte. Der Zivilist Tucholsky hatte damit seine Lehre aus dem Völkergemetzel zwischen 1914 und 1918 gezogen, an dem er gewissermaßen als „eingebetteter Beobachter“ im Baltikum und in Rumänien teilgenommen hatte. Diese Sperrigkeit gegen alles Institutionelle verhinderte aber auch seine Mitarbeit bei der Verteidigung von Demokratie und Republik. Bei aller präzisen Beobachtungsgabe, ausge-drückt in zahllosen Aperçus, hielt er dennoch Distanz zu den republikanischen Institutionen. Stattdessen war die Republik für ihn eher so etwas wie ein „verändertes Kaiserreich“. Für die seismographischen Spannungen seiner Zeit, besonders für das vampirhafte Fortleben des Alten im Neuen verfügte Tucholsky über ein „fast absolutes Gehör“.

Hosfeld beschreibt Tucholsky weniger als politischen Intellektuellen, sondern mehr als einen Solitär in der Tradition Heinrich Heines. Einerseits war Tucholsky Chronist und Barometer auch der Weimarer Jahre, andererseits konnte es eine Republik, in der er hätte zufrieden leben können, nicht geben.

Prof. Dr. Siegfried Weichlein

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DAMALS  06 / 2013

DAMALS Ausgabe 06/2013

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