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14. November 1961

Erste deutsche Frau wird Minister

D

ie Frau ist eher zierlich und hat gar nichts vom Dragonertyp der Suffragette. Fast ein wenig enttäuscht eröffnete der Autor eines Interviews in der "Zeit" seinen Artikel, in dem er drei Wochen nach ihrer Amtseinführung die erste Ministerin einer deutschen Bundesregierung portraitierte. In der Tat war Elisabeth Schwarzhaupt stets bemüht, ihren Anteil an dieser sensationellen Entwicklung nicht über zu bewerten: "Ich habe keinen Finger gerührt, um ins Kabinett zu kommen", betonte sie im selben Interview. Das war zwar ein wenig kokett, schließlich hatte sich die streitbare und engagierte Juristin durch ihre Arbeit im "Außenamt der evangelischen Kirche Deutschlands", ihren Sitz im CDU-Fraktionsvorsitz und in ihrer Funktion als Abgeordnete des Deutschen Bundestags durchaus für noch höhere Aufgaben empfohlen. Doch daran, daß ausgerechnet sie das erste weibliche Kabinettsmitglied werden solle, hatten tatsächlich andere größeren Anteil. Die CDU-Frauen hatten schon nach dem letzten Wahlgang von 1957 eine Frau im Kabinett gefordert, doch Adenauer hatte abgelehnt. Bei der Wahl vom September 1961 aber hatte die CDU/CSU ihre absolute Mehrheit verloren, der 85-jährige Kanzler war unter Druck. Dies wollten die Damen um Helene Weber nutzen. Am 10. November veranstalteten sie eine Strategiesitzung im "Damenruheraum" des Plenargebäudes. In regelmäßigen Abständen wurde ein Saaldiener mit Zettelchen zu Adenauer geschickt. Nach langem Hin und Her war es wohl doch der alte Regierungschef, der mit der Schaffung eines ganz neuen Ressorts auch Raum für die erste Frau am Regierungstisch schuf. Am 14. November wurde Elisabeth Schwarzhaupt als "Minister für Gesundheitswesen" vereidigt.

DAMALS  12 / 2017

DAMALS Ausgabe 12/2017

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