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04.12.1916

Steckrübenwinter

D

ie Steckrübe war für viele Deutsche die letzte Hoffnung für den Kochtopf im harten Kriegswinter von 1916/17, denn zur bitteren Kälte kam auch der Hunger. Vorausgegangen waren ein verregneter Sommer und eine spärliche Kartoffelernte, deren wenige Früchte mit einer Fäule befallen waren. Durch die britische Seeblockade verschärfte sich zudem die Lebensmittelknappheit. Das erst wenige Monate zuvor gegründete Kriegsernährungsamt beschlagnahmte schließlich am 4. Dezember 1916 alle Steckrübenvorräte. So sollte das wenige durch eine kontrollierte Ausgabe an die Bevölkerung, aber auch als Futtermittel in der Landwirtschaft gleichmäßig verteilt werden. Später ging dieser Winter daher als der „Steckrübenwinter von 1916/17“ in das kollektive Gedächtnis ein.

Ernährungswirtschaftlich war der Krieg bereits im Frühjahr 1916 verloren. Brennnesselgemüse und Löwenzahnsalat standen schon lange in vielen Haushalten auf dem Speisezettel. Im Verlauf des Steckrübenwinters sank der Kaloriengehalt der täglichen Ration auf weniger als 1000 Kalorieneinheiten. Trotz einer verbesserten Versorgung im folgenden Jahr konnte das Niveau der ersten beiden Kriegsjahre nicht mehr erreicht werden. Lange Warteschlangen vor den Lebensmittelgeschäften, ironisch „Polonaise“ genannt, gehörten bald zum prägenden Stadtbild. Es waren vor allem Frauen, die die Hauptlast an der Heimatfront trugen. Sie kümmerten sich um Familie, industrielle Kriegsarbeit und Landwirtschaft. Der Krieg trug in die‧‧ser Hinsicht dazu bei, dass tradierte Geschlechterrollen aufgebrochen wurden.

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DAMALS Ausgabe 01/2018

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