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416 v.Chr.

Das Recht des Stärkeren

W

ährend des Peloponnesischen Kriegs musste nahezu jede Polis Posi-tion beziehen: für Sparta oder Athen. Eines der wenigen neutralen Gemeinwesen war die kleine Insel Melos, eine spartanische Gründung. Die Flotte der Mutterstadt hatte 426 den Athener Nikias von einer Belagerung der Kriegsverweigerer abhalten können. Als aber mit Kriegsende Spartas Flotte zerstört wurde, bot sich Athen die Gelegenheit, Melos für seine Neutralität zu bestrafen.

Im Frühjahr 416 landete ein gewaltiges Heer Athens und seiner Verbündeten auf der Insel. Athen verlangte die Unterwerfung der Melier. Der Historiker Thukydides lässt die Athener in seinem berühmten „Melierdialog“ die Wirklichkeit schonungslos offen aussprechen: Athen geht es nur um Macht, die Melier haben sie weder provoziert, noch stellen sie eine Gefahr dar. Recht gelte nur unter Gleichstarken, Schwächere hätten sich zu unterwerfen. Auf Götter und Verbündete dürfe man in einer solchen Lage nicht hoffen. Die Melier hofften dennoch. Aber nach einem halben Jahr Belagerung mussten sie bedingungslos kapitulieren. Alle Männer wurden hingerichtet, Frauen und Kinder in die Sklaverei verkauft. Athen gründete eine neue Kolonie. Bereits in der Antike galt dieses Vorgehen als Beispiel grausamster Barbarei und überschattete dauerhaft Athens Ruf als Hort der Bildung und der Wissenschaft.

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DAMALS  06 / 2013

DAMALS Ausgabe 06/2013

200 Jahre Völkerschlacht

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