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538 v. Chr.

Polykrates erringt die Tyrannis auf Samos

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Er stand auf seines Daches Zinnen und schaute mit vergnügten Sinnen auf das beherrschte Samos hin. Dies alles ist mir untertänig, begann er zu Ägyptens König, gestehe, daß ich glücklich bin." So läßt Schiller seine Ballade über das verhängnisvolle Glück des Tyrannen Polykrates beginnen. Immerhin 16 Jahre währte dessen Herrschaft auf Samos, bis ihn der Neid der Götter schließlich in Gestalt des hinterhältigen persischen Satrapen Oroites ereilte – er wurde schmählich ermordet.
Die Machtergreifung des Polykrates um 538 verlief nach bekanntem Muster: Als die Bevölkerung sich gerade zu einem Fest außerhalb der Stadt versammelt hatte, nutzten der Usurpator und seine beiden Brüder die Gelegenheit für einen Überraschungsangriff. Für kurze Zeit teilten die Drei die Stadt brüderlich unter sich auf, bis sich Polykrates – nachdem er den einen Bruder ermordet, den anderen vertrieben hatte – zum Alleinherrscher machte.
Er herrschte ganz im aristokratischen Stil, pflegte etliche Gastfreundschaften, etwa mit dem Pharao von Ägypten und der Priesterschaft von Delos und schwelgte in üppigem Luxus. Mithilfe einer Söldnertruppe und einer großen Flotte baute er seine Machtposition aus. Die Mittel dazu erlangte der Tyrann nicht zuletzt durch Piraterie, eine damals verbreitete Art der Geldbeschaffung, die er besonders erfolgreich betrieb. Gegen seine Gegner setzte er sich mit Mord, Vertreibung und Geiselnahmen durch.
Doch das Bild des Polykrates trägt nicht nur dunkle Züge: So profitierte ganz Samos von seiner Herrschaft, denn neben einigen Prachtbauten ließ er einen mehr als 1000 Meter langen Stollen durch einen Berg legen, um Wasser in die Stadt zu leiten.

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DAMALS  01 / 2018

DAMALS Ausgabe 01/2018

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