DAMALS-Leserreise (19. bis 29. Juni 2013)

Unterwegs zwischen Danzig und Königsberg

Blick über die Nogat auf die Festung Marienburg (Malbork). (Ullstein Bild / Kanus)

Blick über die Nogat auf die Festung Marienburg (Malbork). (Ullstein Bild / Kanus)

D
ie elf­tä­gi­ge DA­MALS-​Le­ser­rei­se führt ins ehe­ma­li­ge Ost­preu­ßen. Es ist ei­ne Be­geg­nung mit den reich­hal­ti­gen Spu­ren deut­scher, pol­ni­scher, ma­su­ri­scher und rus­si­scher Kul­tur, mit atem­be­rau­bend schö­ner Land­schaft, aber auch mit den Tat­sa­chen oft leid­vol­ler Nach­bar­schafts­ge­schich­te.
 
Wis­sen­schaft­li­cher Rei­se­lei­ter ist Ja­nusz Ty­c­ner – His­to­ri­ker, Rei­se-​Jour­na­list, Au­tor und Über­set­zer. Für die DA­MALS-​Re­dak­ti­on wird Chef­re­dak­teur Ste­fan Berg­mann mit von der Par­tie sein.
 
Die ers­te Sta­ti­on nach der An­kunft in Gdansk (Dan­zig) ist am nächs­ten Tag Mal­bork (Ma­ri­en­burg). Die an der No­gat ge­le­ge­ne Ma­ri­en­burg war einst Sitz der Hoch­meis­ter des Deut­schen Or­dens und bis ins 13. Jahr­hun­dert die mäch­tigs­te Fes­tungs­an­la­ge Eu­ro­pas. Die Back­stein­burg ist ein Meis­ter­werk spät­go­ti­scher Bau­kunst, das seit 1997 zum UNESCO-​Welt­kul­tur­er­be zählt. In From­bork (Frau­en­burg) be­su­chen wir den Dom. In der ers­ten Hälf­te des 16. Jahr­hun­derts wirk­te Ni­ko­laus Ko­per­ni­kus als Dom­herr in der auf ei­nem Hü­gel thro­nen­den Ka­the­dra­le und re­vo­lu­tio­nier­te mit sei­nen The­sen zur As­tro­no­mie das mit­tel­al­ter­li­che Welt­bild. Wei­te­re Sta­ti­on ist Ka­dy­ny (Ka­di­nen), das be­reits im Jahr 1255 erst­mals er­wähnt wird. Be­son­der­heit: Wir über­nach­ten in dem Guts­haus, das Kai­ser Wil­helm II. 1899 zu sei­ner Som­mer­re­si­denz aus­bau­en ließ.
 
Wir über­schrei­ten die Gren­ze und be­ge­ben uns ins Ge­biet der rus­si­schen Ex­kla­ve Ka­li­nin­grad (Kö­nigs­berg). Die rund 220 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Re­gi­on rund um die Stadt stand seit En­de des Zwei­ten Welt­kriegs un­ter so­wje­ti­scher Ver­wal­tung und wur­de mit der Un­ab­hän­gig­keit der bal­ti­schen Staa­ten 1992 of­fi­zi­ell rus­si­sche Ex­kla­ve. Zu den Se­hens­wür­dig­kei­ten der ehe­ma­li­gen ost­preu­ßi­schen Haupt­stadt zäh­len der Dom, das Grab­mal Im­ma­nu­el Kants und die al­ten Fes­tungs­an­la­gen.
 
Ein Ta­ges­aus­flug führt an die Bern­stein­küs­te. Zu­nächst geht es nach Bal­ti­jsk (Pil­lau), heu­te ein Stütz­punkt der rus­si­schen Ost­see­flot­te, wes­halb wir ei­ne Son­der­ge­neh­mi­gung be­nö­ti­gen. Die Stadt­be­sich­ti­gung um­fasst un­ter an­de­rem den al­ten Was­ser­turm, die Zi­ta­del­le und den ro­man­ti­schen Leucht­turm. Jan­tar­ny (Palm­ni­cken) ist be­kannt als der ein­zi­ge Ort auf der Er­de, an dem Bern­stein im Ta­ge­bau ge­won­nen wird. Wir be­sich­ti­gen ei­ne pri­va­te Bern­stein­ma­nu­fak­tur.
 
Am fünf­ten Tag er­kun­det die Rei­se­grup­pe die be­rühm­te Ku­ri­sche Neh­rung, ei­nen Land­strich, der das Ku­ri­sche Haff von der Ost­see trennt. Die Neh­rung be­steht aus Sand und rie­si­gen Wan­der­dü­nen. Sie ist 100 Ki­lo­me­ter lang und be­geis­tert durch ih­re Land­schaft. Von der höchs­ten Dü­ne ge­nie­ßen wir den Pan­ora­ma­blick. Wir be­su­chen die welt­weit äl­tes­te Vo­gel­war­te, 1901 von Jo­han­nes Thine­mann in Ry­bat­schi (Ros­sit­ten) ge­grün­det. Der Kur­ort Rau­schen, das heu­ti­ge Swet­lo­gorsk, ist be­kannt als „Per­le der Bern­stein­küs­te“.
 
Nach Zwi­schen­stopps in Mordow­sko­je (Le­git­ten) und in Po­lessk (La­bi­au), er­rei­chen wir So­wjetsk (Til­sit). Die zweit­größ­te Stadt des Be­zir­kes Ka­li­nin­grad ist mit dem Na­men be­kann­ter Per­sön­lich­kei­ten ver­bun­den: Max von Schen­ken­dorf, der Dich­ter der Frei­heits­krie­ge, stammt eben­so aus Til­sit wie Wil­helm Voigt, der als „Haupt­mann von Kö­pe­nick“ in die Ge­schich­te ein­ging, und der Schau­spie­ler Ar­min Mül­ler-​Stahl. In Ne­man (Rag­nit) gibt es die Rui­ne der Or­dens­burg des Deut­schen Or­dens aus dem 14. Jahr­hun­dert zu se­hen. Auf der Wei­ter­fahrt nach Tschern­ja­chowsk (In­ster­burg) ma­chen wir halt in Ma­jow­ka (Ge­or­gen­burg). Wie einst ist der Ort noch heu­te ein Zen­trum der Pfer­de­zucht. Der his­to­ri­sche Stadt­kern In­ster­burgs ist trotz schwe­rer Bom­ben­an­grif­fe im Zwei­ten Welt­krieg weit­ge­hend er­hal­ten ge­blie­ben.
 
Mi­ko­ajki (Ni­ko­lai­ken), die klei­ne Stadt un­weit des Spierding­sees, des größ­ten der ma­su­ri­schen Se­en, wird oft das „ma­su­ri­sche Ve­ne­dig“ ge­nannt. Als ei­ne der we­ni­gen Städ­te Ost­preu­ßens wur­de sie im Zwei­ten Welt­krieg nicht zer­stört. Wei­ter geht die Fahrt nach Kêtrzyn (Ras­ten­burg) mit ei­nem kur­zem Stopp bei der Burg. Wir be­sich­ti­gen die Trüm­mer der un­weit ge­le­ge­nen „Wolfs­schan­ze“, des ehe­ma­li­gen „Füh­rer­haupt­quar­tiers“ Adolf Hit­lers. Dort hat­te am 20. Ju­li 1944 Claus Schenk Graf von Stauf­fen­berg ei­ne Bom­be ge­zün­det, um Hit­ler zu tö­ten.
 
Das ge­hört na­tür­lich zu Ma­su­ren: Am ach­ten Tag der Rei­se un­ter­neh­men wir ei­ne Sto­cher­kahn­fahrt auf der Krut­tin­na, ei­nem idyl­li­schen Flüss­chen in Ma­su­ren. Es folgt der Be­such des Klos­ters der rus­sisch-​or­tho­do­xen Phil­ip­po­nen in Wo­j­no­wo (Eckerts­dorf). Nach­mit­tags geht die Fahrt durch die Jo­han­nis­bur­ger Hei­de, ei­nes der größ­ten Wald­ge­bie­te Po­lens, nach Pisz (Jo­han­nis­burg). Auf dem Rück­weg Halt beim Ge­burts­haus des ma­su­ri­schen Dich­ters Ernst Wie­chert in Piers³awek (Klein­ort).
 
S wie­ta Lip­ka (Hei­li­ge­lin­de) ist für sei­ne mäch­ti­ge, von den Je­sui­ten er­bau­te ba­ro­cke Wall­fahrts­kir­che be­kannt. Der Le­gen­de nach stand hier einst ei­ne gro­ße Lin­de, an der ei­ne Holz­fi­gur des Ma­ri­en­kin­des be­fes­tigt wur­de und um die sich ein Kult ent­wi­ckel­te. Se­hens­wert ist die sil­ber­ne Fi­gur der Mut­ter­got­tes. In der Hof‧ga­le­rie gibt es ein­zig­ar­ti­ge De­cken­fres­ken und Ba­rockskulp­tu­ren.
 
Die Ha­fen­stadt Gda  nsk (Dan­zig) zählt seit dem 14. Jahr­hun­dert zu den be­deu­tends­ten Han­se­städ­ten. Im Zwei­ten Welt­krieg wur­de Dan­zig na­he­zu voll­stän­dig zer­stört und spä­ter de­tail­ge­treu wie­der­auf­ge­baut. Wir be­sich­ti­gen die Alt­stadt mit ih­ren zahl­rei­chen Se­hens­wür­dig­kei­ten: Recht­städ­ti­sches Rat­haus, Rund­blick vom Rat­haus­turm aus, Ma­ri­en­kir­che, Lan­ger Markt, das Kran­tor, das Gol­de­ne Tor, den Ar­tus­hof und die Frau­en­gas­se. Am Nach­mit­tag geht es zur go­ti­schen Ka­the­dra­le von Oli­wa mit ih­rer fast 8000 Pfei­fen zäh­len­den Or­gel, de­ren Klang wir in ei­nem Kon­zert er­le­ben. Der Tag en­det mit ei­nem Ab­ste­cher ins Ost­see­bad So­pot (Zop­pot). Am Rück­rei­se­tag ha­ben wir Zeit, um Dan­zig auf ei­ge­ne Faust zu er­kun­den. Am spä­ten Nach­mit­tag Trans­fer zum Flug­ha­fen.
 
Die Or­ga­ni­sa­ti­on der Rei­se liegt beim Ver­an­stal­ter Ika­rus-​Tours.
 
Die 11-​tä­gi­ge Rei­se kos­tet 1870 Eu­ro im Dop­pel­zim­mer (Ein­zel­zim­mer­zu­schlag: 295 Eu­ro). Aus­führ­li­che In­for­ma­tio­nen über Tour­ver­lauf, Prei­se und Leis­tun­gen er­hal­ten Sie per Falt­blatt, das Sie an­for­dern kön­nen bei:
 
Re­dak­ti­on DA­MALS
z. Hd. Herrn Cars­ten Fel­ker
Ernst-​Mey-​Stra­ße 8
70771 Lein­fel­den-​Ech­ter­din­gen
Tel. + 49 (0)711 7594 -​447
Fax + 49 (0)711 7594 -​5836
E-​Mail: carsten.​felker@​konradin.​de
 

DAMALS  06 / 2013

DAMALS Ausgabe 06/2013

200 Jahre Völkerschlacht

zum Titelthema