Blick über die Nogat auf die Festung Marienburg (Malbork). (Ullstein Bild / Kanus)
ie elftägige DAMALS-Leserreise führt ins ehemalige Ostpreußen. Es ist eine Begegnung mit den reichhaltigen Spuren deutscher, polnischer, masurischer und russischer Kultur, mit atemberaubend schöner Landschaft, aber auch mit den Tatsachen oft leidvoller Nachbarschaftsgeschichte.
Wissenschaftlicher Reiseleiter ist Janusz Tycner – Historiker, Reise-Journalist, Autor und Übersetzer. Für die DAMALS-Redaktion wird Chefredakteur Stefan Bergmann mit von der Partie sein.
Die erste Station nach der Ankunft in Gdansk (Danzig) ist am nächsten Tag Malbork (Marienburg). Die an der Nogat gelegene Marienburg war einst Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens und bis ins 13. Jahrhundert die mächtigste Festungsanlage Europas. Die Backsteinburg ist ein Meisterwerk spätgotischer Baukunst, das seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. In Frombork (Frauenburg) besuchen wir den Dom. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wirkte Nikolaus Kopernikus als Domherr in der auf einem Hügel thronenden Kathedrale und revolutionierte mit seinen Thesen zur Astronomie das mittelalterliche Weltbild. Weitere Station ist Kadyny (Kadinen), das bereits im Jahr 1255 erstmals erwähnt wird. Besonderheit: Wir übernachten in dem Gutshaus, das Kaiser Wilhelm II. 1899 zu seiner Sommerresidenz ausbauen ließ.
Wir überschreiten die Grenze und begeben uns ins Gebiet der russischen Exklave Kaliningrad (Königsberg). Die rund 220 Quadratkilometer große Region rund um die Stadt stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs unter sowjetischer Verwaltung und wurde mit der Unabhängigkeit der baltischen Staaten 1992 offiziell russische Exklave. Zu den Sehenswürdigkeiten der ehemaligen ostpreußischen Hauptstadt zählen der Dom, das Grabmal Immanuel Kants und die alten Festungsanlagen.
Ein Tagesausflug führt an die Bernsteinküste. Zunächst geht es nach Baltijsk (Pillau), heute ein Stützpunkt der russischen Ostseeflotte, weshalb wir eine Sondergenehmigung benötigen. Die Stadtbesichtigung umfasst unter anderem den alten Wasserturm, die Zitadelle und den romantischen Leuchtturm. Jantarny (Palmnicken) ist bekannt als der einzige Ort auf der Erde, an dem Bernstein im Tagebau gewonnen wird. Wir besichtigen eine private Bernsteinmanufaktur.
Am fünften Tag erkundet die Reisegruppe die berühmte Kurische Nehrung, einen Landstrich, der das Kurische Haff von der Ostsee trennt. Die Nehrung besteht aus Sand und riesigen Wanderdünen. Sie ist 100 Kilometer lang und begeistert durch ihre Landschaft. Von der höchsten Düne genießen wir den Panoramablick. Wir besuchen die weltweit älteste Vogelwarte, 1901 von Johannes Thinemann in Rybatschi (Rossitten) gegründet. Der Kurort Rauschen, das heutige Swetlogorsk, ist bekannt als „Perle der Bernsteinküste“.
Nach Zwischenstopps in Mordowskoje (Legitten) und in Polessk (Labiau), erreichen wir Sowjetsk (Tilsit). Die zweitgrößte Stadt des Bezirkes Kaliningrad ist mit dem Namen bekannter Persönlichkeiten verbunden: Max von Schenkendorf, der Dichter der Freiheitskriege, stammt ebenso aus Tilsit wie Wilhelm Voigt, der als „Hauptmann von Köpenick“ in die Geschichte einging, und der Schauspieler Armin Müller-Stahl. In Neman (Ragnit) gibt es die Ruine der Ordensburg des Deutschen Ordens aus dem 14. Jahrhundert zu sehen. Auf der Weiterfahrt nach Tschernjachowsk (Insterburg) machen wir halt in Majowka (Georgenburg). Wie einst ist der Ort noch heute ein Zentrum der Pferdezucht. Der historische Stadtkern Insterburgs ist trotz schwerer Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg weitgehend erhalten geblieben.
Mikoajki (Nikolaiken), die kleine Stadt unweit des Spierdingsees, des größten der masurischen Seen, wird oft das „masurische Venedig“ genannt. Als eine der wenigen Städte Ostpreußens wurde sie im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. Weiter geht die Fahrt nach Kêtrzyn (Rastenburg) mit einem kurzem Stopp bei der Burg. Wir besichtigen die Trümmer der unweit gelegenen „Wolfsschanze“, des ehemaligen „Führerhauptquartiers“ Adolf Hitlers. Dort hatte am 20. Juli 1944 Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Bombe gezündet, um Hitler zu töten.
Das gehört natürlich zu Masuren: Am achten Tag der Reise unternehmen wir eine Stocherkahnfahrt auf der Kruttinna, einem idyllischen Flüsschen in Masuren. Es folgt der Besuch des Klosters der russisch-orthodoxen Philipponen in Wojnowo (Eckertsdorf). Nachmittags geht die Fahrt durch die Johannisburger Heide, eines der größten Waldgebiete Polens, nach Pisz (Johannisburg). Auf dem Rückweg Halt beim Geburtshaus des masurischen Dichters Ernst Wiechert in Piers³awek (Kleinort).
S wieta Lipka (Heiligelinde) ist für seine mächtige, von den Jesuiten erbaute barocke Wallfahrtskirche bekannt. Der Legende nach stand hier einst eine große Linde, an der eine Holzfigur des Marienkindes befestigt wurde und um die sich ein Kult entwickelte. Sehenswert ist die silberne Figur der Muttergottes. In der Hof‧galerie gibt es einzigartige Deckenfresken und Barockskulpturen.
Die Hafenstadt Gda nsk (Danzig) zählt seit dem 14. Jahrhundert zu den bedeutendsten Hansestädten. Im Zweiten Weltkrieg wurde Danzig nahezu vollständig zerstört und später detailgetreu wiederaufgebaut. Wir besichtigen die Altstadt mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten: Rechtstädtisches Rathaus, Rundblick vom Rathausturm aus, Marienkirche, Langer Markt, das Krantor, das Goldene Tor, den Artushof und die Frauengasse. Am Nachmittag geht es zur gotischen Kathedrale von Oliwa mit ihrer fast 8000 Pfeifen zählenden Orgel, deren Klang wir in einem Konzert erleben. Der Tag endet mit einem Abstecher ins Ostseebad Sopot (Zoppot). Am Rückreisetag haben wir Zeit, um Danzig auf eigene Faust zu erkunden. Am späten Nachmittag Transfer zum Flughafen.
Die Organisation der Reise liegt beim Veranstalter Ikarus-Tours.
Die 11-tägige Reise kostet 1870 Euro im Doppelzimmer (Einzelzimmerzuschlag: 295 Euro). Ausführliche Informationen über Tourverlauf, Preise und Leistungen erhalten Sie per Faltblatt, das Sie anfordern können bei:
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