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Faszinierende Figuren: Friedrich von Thun über Hernán Cortés

„Mutig, grausam, konsequent“

Dieser Text erschien in Heft 2/2015. (DAMALS)

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ersönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wissenschaft sprechen über historische Gestalten, die sie beeindruckt haben. In Heft 2/2015: der Schauspieler Friedrich von Thun über den spanischen Eroberer Hernán Cortés.

DAMALS: Wann haben Sie zum ersten Mal von Cortés gehört?
Friedrich von Thun: Ich habe in meiner Schulzeit Biographien über Entdecker gelesen – Kolumbus, Pizarro, Cortés, auch über die Erforschung der Pole. Cortés ist an mir hängengeblieben, mehr als alle anderen, weil ich häufig in Mexiko war und mir eine Vorstellung davon machen konnte, was er dort geleistet hat.

DAMALS: Was finden Sie so beeindruckend?
Friedrich von Thun: Die Vorstellung, dass ein Mann mit einer kleinen Truppe ein Reich besiegen kann. Der ist mit 11 Schiffen angekommen, mit 500 Mann. Er hatte 16 Reiter dabei und 30 Armbrustschützen und hat dann dieses Land erobert. Er hatte jedenfalls den festen Willen, denn er ließ bei seiner Ankunft die Schiffe verbrennen. Das ist etwas, was mich fasziniert hat. Jetzt waren die Männer gezwungen, vorwärts zu marschieren. In ein Reich, das sie nicht kannten. Das finde ich eine unglaubliche Leistung.

DAMALS: Sahen die Azteken das auch so?
Friedrich von Thun: Nun ja, der Zufall wollte es, dass es bei den Azteken den Mythos gab, irgendwann werde einmal einer im Osten auftauchen, der anders ausschaut, der etwas mit den Göttern zu tun hat, ein Gottesgesandter. Ein Zufall, der Cortés in die Hände spielte. Er erkannte das System des Aztekenreichs klar und nutzte seine Erkenntnisse geschickt aus: Es gab genug Völker, die die Azteken hassten, weil sie von ihnen unterworfen worden waren. Sie waren bereit, ihn zu unterstützen.

DAMALS: Wie würden Sie Cortés auf zwei, drei Begriffe bringen?
Friedrich von Thun: Mutig, grausam, konsequent. Er hat sich nicht aufhalten lassen. Die Azteken haben dann ja gemerkt, dass es ihm nur ums Gold ging, und zogen Truppen zusammen. Die Spanier wollten daher nachts heimlich über den Damm aus Tenochtitlán fliehen. Sie beluden sich mit Gold. Viele wurden aber von den Azteken erschlagen, andere ertranken im See, weil das Gold sie unter Wasser zog. Und trotzdem hat Cortés gesagt: Nein, wir geben nicht auf.

DAMALS: Taugt er als Vorbild?
Friedrich von Thun: Nein. Nun gut, Vorbild – ein schreckliches Vorbild, wenn man das so sagen kann. Ich meine, als Vorbild in Durchsetzungsvermögen und in seiner Konsequenz.

DAMALS: Es gibt also Wesenszüge, die Ihnen weniger gut gefallen?
Friedrich von Thun: Natürlich. Er hat einen grausamen Krieg geführt, in dem viele Menschen gestorben sind. Was ich erstaunlich finde, ist, wie ein einzelner Mensch die Geschichte verändern kann. Das nötigt Respekt ab, bei allem Schaudern.

Hernán Cortés (1485 –1547) entstammte dem spanischen Kleinadel. Seit 1504 in der Neuen Welt, 1511 Teilnahme an der Eroberung Kubas, wo er sich als Minenbesitzer, Viehzüchter und Notar niederließ. Eroberte von 1519 bis 1521 das Reich der Azteken in Mexiko und gründete dort die Provinz Neu-Spanien, deren Generalgouverneur er bis 1530 blieb. Seit 1540 wieder in Spanien. Starb kurz vor der geplanten Rückkehr nach Mexiko.

Friedrich von Thun geb. 1942 in Mähren, aufgewachsen in Österreich. Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft in München. Begann seine schauspielerische Laufbahn 1963 bei den Münchner Kammerspielen. Wurde einem großen Publikum bekannt als Darsteller in über 100 Fernseh- und Kinoproduktionen.

Interview: Winfried Dolderer

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