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Universität Jena

„Die Zigarette im Ersten und Zweiten Weltkrieg“

Rauchen für die Marine – Werbeplakat von 1914. Solche Werbeplakate werden auch im neuen interdisziplinären Forschungsverbund „PolitCIGs“ untersucht. (Foto: Museum der Arbeit)

Z
igaretten können durch ihre Symbolik, durch ihren Geruch und durch ihren Gebrauch versteckt politische Inhalte vermitteln, ja sogar politische Botschaften beglaubigen“, sagt Rainer Gries von der Universität Jena. Der Historiker und Kommunikationswissenschaftler leitet den neuen interdisziplinären Forschungsverbund „PolitCIGs – Die Kulturen der Zigarette und die Kulturen des Politischen. Zur Sprache der Produkte im 20. und 21. Jahrhundert“.

Bei „PolitCIGs“ kooperieren die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Museum der Arbeit Hamburg und die Sigmund Freud PrivatUniversität Wien. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert den Verbund mit rund einer Million Euro im Rahmenprogramm „Die Sprache der Objekte: Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen“ für zunächst drei Jahre. Die Wissenschaftler aus Jena, Hamburg und Wien fragen danach, ob und wie politische Kulturen gestützt werden, wenn Individuen, soziale Gruppen, Milieus, Generationen oder ganze Gesellschaften über Zigaretten kommunizieren. „Es geht uns um nichts weniger als die Kulturgeschichte der Zigarette vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis heute“, sagt Rainer Gries. Zunächst mit Konzentration auf Westdeutschland, die DDR und Österreich.

In einer ersten Projekt-Phase wollen die Wissenschaftler das offen Politische in den Blick nehmen. Arbeitstitel: „Die Zigarette im Ersten und Zweiten Weltkrieg“. Danach steht das Rauchen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute im Fokus. Mit dem Sieg der Alliierten über Deutschland habe es tiefgreifende Verschiebungen gegeben, konstatiert Gries. Als Beispiel für eine subtile politische Botschaft der Zigarette nennt er den Wechsel der Tabaksorten nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals lösten leichtere und hellere American-Blend-Tabake die dunkleren und stärkeren Orient-Tabake ab. Mit dem neuen Tabak änderten sich die Symbolwelten des Rauchens radikal: Die Zigarette wurde jetzt nicht mehr mit einer verklärten Exotik „des Orients“ verknüpft, sondern mit den kulturellen und politischen Horizonten der Vereinigten Staaten. Die Zigarette wurde zu einer transatlantischen Brücke.

Für ihre Forschungsarbeit stehen den Wissenschaftlern die Reemtsma-Archive im Museum der Arbeit zur Verfügung. Dazu zählen etwa 3500 Werbeplakate, rund 25 000 Anzeigenmotive sowie ungefähr 20 000 Zigarettenpackungen.

Gemeinsam mit Historikern, Kommunikationswissenschaftlern und Psychologen soll im Verbund „PolitCIGs“ über Fachgrenzen hinweg nach neuen Methoden und Zugängen der wissenschaftlichen Arbeit mit unseren Dingkulturen gesucht werden. Für Rainer Gries ist die Entwicklung innovativer, transdisziplinärer Methoden eine zentrale Zielstellung des Forschungsverbundes. Außerdem soll eine interaktive Online-Präsentation entstehen, welche die politische Kulturgeschichte der Zigarette in (West-)Europa nachvollziehbar machen wird.

23.10.2013, Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena

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