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Türkei

3000 Jahre alte Frauenstatue entdeckt – Göttin oder Königin?

In Tayinat in der Türkei entdeckte 3000 Jahre alte Frauenstatue. (Foto: Tayinat Archaeological Project/ Jennifer Jackson)

I

n der Türkei haben Archäologen die Reste einer monumentalen Frauenstatue aus der Eisenzeit entdeckt. Das 3000 Jahre alte Standbild war einst fünf Meter groß und stand in einem Torkomplex der neo-hethitischen Hauptstadt Kunulua. Überraschend daran ist, dass diese Statue eine Frau darstellt. Dies könnte bedeuten, dass Frauen im eisenzeitlichen Nahen Osten eine prominentere Rolle in Politik und Religion gespielt haben als bisher gedacht.

Grabung in neo-hethitischer Königsstadt

Der Grenzbereich zwischen Syrien und der Türkei war in der Bronze- und Eisenzeit eine ebenso begehrte, wie umkämpfte Region. Hier führten wichtige Handelsrouten entlang und das Gebiet lag im Schnittpunkt gleich mehrerer großer Reiche und ihrer Einflusssphären. In Tayinat, im Südosten der Türkei, lag von 1000 bis 738 v. Chr. Kunulua, die Hauptstadt des neo-hethitischen Königreichs Patina.

Seit 2008 führt dort ein internationales Archäologenteam unter Leitung von Timothy Harrison von der University of Toronto Ausgrabungen durch. Seither haben sie in den Resten eines monumentalen Torkomplexes unter anderem eine Löwenstatue und die obere Hälfte eines monumentalen Standbilds des neo-hethitischen Königs Suppiluliuma entdeckt.

Überlebensgroße Frauenstatue

Jetzt haben die Forscher in diesem Torkomplex des alten Kunulua einen weiteren spektakulären Fund gemacht: Sie stießen auf die Fragmente einer 3000 Jahre alten Frauenstatue. "Die Statue wurde mit dem Gesicht nach unten in einem dicken Bett aus Basaltstücken entdeckt", berichtet Harrison. "Unter den Fragmenten waren Teile der Augen, der Nase und des Gesichts."

Nähere Untersuchungen enthüllten, dass dieses aus Basalt gefertigte Standbild einst vier bis fünf Meter hoch gewesen sein muss. Bisher jedoch haben die Archäologen nur den Kopf und Teile des Oberkörpers gefunden. Doch diese erwiesen sich wegen ihrer Kunstfertigkeit und ihres Motivs als ungewöhnlich: "Zu ihren beeindruckenden Merkmalen gehört ein Ring von Locken, der unter einem Schal hervorschaut, der ihren Kopf, die Schultern und den Rücken bedeckt", so der Archäologe.

Göttin oder königliche Herrscherin?

Rätselhaft ist bisher, wen diese Frauenstatue darstellt: "Sie könnte ein Abbild von Kubaba, der Mutter der Götter im alten Anatolien darstellen", sagt Harrison. "Aber es gibt auch stilistische und ikonografische Hinweise darauf, dass dieses Standbild eine menschliche Figur repräsentiert. Vielleicht die Frau des Königs Suppiluliuma oder - noch spannender - eine Frau namens Kupapiyas."

Kupapiyas wird in zwei Inschriften erwähnt, die vor mehr als 50 Jahren bei Ausgrabungen im syrischen Hama gefunden worden sind. Demnach lebte sie Anfang des 1. Jahrtausends v. Chr. und war die Frau des Königs Taita, dem Gründer der Königsdynastie von Tayinat. Den Inschriften nach soll Kupapiyas mehr als 100 Jahre lang gelebt haben und eine prominente Stellung innegehabt haben. Sie ist zudem die einzige Frau, die aus dieser Zeit überhaupt erwähnt wird.

Neuer Blick auf Stellung der Frau

Sollte das neuentdeckte Standbild tatsächlich Kupapiyas oder die Frau des Königs Suppiluliuma darstellen, wäre dies ein echtes Novum, wie die Archäologen erklären. Denn dann wäre dies eines der ersten bekannten Beispiele für eine Monumentalstatue, die nicht einen Mann, sondern eine Frau ehrt. "Die Entdeckung dieser Statue spricht für die Möglichkeit, dass Frauen in diesen frühen Eisenzeit-Gemeinschaften eine prominentere Rolle im politischen und religiösen Leben spielten als es die bisher bekannten historischen Aufzeichnungen glauben ließen", sagt Harrison.

Von Assyrern zerstört

Lange stand die Frauenstatue aber wohl nicht im Torkomplex von Kunulua: Als die Assyrer im Jahr 738 v. Chr. die neo-hethitische Königsstadt eroberten, zerstörten sie große Teile der Stadt. Der Torkomplex wurde überpflastert und zum zentralen Hof eines assyrischen Heiligtums. Aus der Art und Menge der Statuenfragmente schließen die Forscher, dass die Frauenstatue und auch die anderen Skulpturen dabei absichtlich zerstört wurden.

Dieses Ereignis könnte sogar im Alten Testament der Bibel erwähnt sein: In Jesajas Orakel gegen die Assyrer werden Städte erwähnt, die zu Fall gekommen sind, darunter auch ein Ort namens Kalneh. "Historiker haben schon länger darüber spekuliert, dass mit Kalneh die Zerstörung von Kunulua gemeint sein könnte", erklärt Harrison. Die jetzigen Funde könnten dies bestätigen.

15.08.2017, Quelle: University of Toronto

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