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Verschmutzungs-Geschichte

„Dreckspatzen“ berichten von der Geschichte der Umweltverschmutzung

Ein Vergleich verdeutlicht die Verschmutzung um die Jahrhundertwende: Oben ein Field Sparrow von 1906 und unten ein Exemplar von 1996. (Field Museum)

V

on natürlich hell bis rußig grau: In den Verfärbungen von Vögeln aus Museumsammlungen spiegelt sich die Entwicklung der Luftverschmutzung in den USA im Lauf der letzten 135 Jahre wider, berichten Forscher. Historische Ereignisse wie die Weltwirtschaftskrise oder der Zweite Weltkrieg, machten sich dabei ebenso bemerkbar wie Maßnahmen zum Umweltschutz.

Am Anfang der Studie des Teams vom Field Museums und der University of Chicago stand eine schmutzige Feststellung: Die Vogelbestände der Sammlung aus den frühen 1900er Jahren sind unnatürlich grau. Schon bald wurde die Ursache klar: "Wenn man diese Vögel berührt, bekommt man rußige Hände", berichtet Shane DuBay. Offenbar haben die Tiere damals Partikel der damaligen Luftverschmutzung in ihrem Gefieder angesammelt.

Graustufen systematisch erfasst

So kamen die Forscher auf die Idee, diesen Effekt gezielt zu nutzen. Sie analysierten über 1000 in den letzten 135 Jahren gesammelte Vögel, um die Entwicklung der Rußbelastung im industrialisierten Nordosten der USA zu bestimmen. Sie entwickelten dazu ein fotometrisches System zur genauen Erfassung der Reflexion des Gefieders. Sie konzentrierten sich bei ihren Untersuchungen auf fünf Spezies mit natürlicherweise hellem Gefieder. Darunter war auch ein in Nordamerika weitverbreiteter Vertreter der Sperlingsvögel - ein Cousin unseres Spatz.

Wie die Forscher berichten, waren die Federn der Vögel vor etwa 100 Jahren am stärksten belastet: Auf dem Höhepunkt der städtischen Rauchverschmutzung waren sie vom Ruß dunkelgrau gefärbt. "Die Methode erlaubte es uns auch, die Menge an Ruß in der damaligen Luft zu bestimmen, und es zeigte sich, dass sie um die Jahrhundertwende noch stärker verschmutzt war als bisher angenommen", berichtet DuBay.

Historisches und Politisches zeichnet sich ab

"Wir waren überrascht von der Präzision, die wir erreichen konnten", sagt der Wissenschaftler: "Der Ruß auf den Vögeln zeichnet den Einsatz von Kohle im Laufe der Zeit tatsächlich präzise nach". Beispielsweise wurden die Tiere während der Weltwirtschaftskrise am Ende der 1920er Jahre wieder deutlich heller, weil der Kohleverbrauch gesunken war. Wie die Forscher erklären, nahmen die Menge des Rußes auf den Vögeln dann vor allem während des Zweiten Weltkriegs wieder zu, als die Kriegsproduktion den Kohleverbrauch erhöhte. Später ging er dann erneut zurück, weil die Menschen in der Rregion begannen, ihre Häuser mit Erdgas zu heizen, statt mit Kohle.

"In den Veränderungen bei den Vögeln spiegeln sich aber auch die politischen Bemühungen wider, das Rauchproblem anzugehen - zuerst auf der regionalen Ebene, aber schließlich auch auf der nationalen", sagt Co-Autor Carl Fuldner von der University of Chicago. "Wir können anhand der Vögel nun tatsächlich auch nachprüfen, wie effektiv bestimmte politische Ansätze gewesen sind", freut sich der Historiker über das Ergebnis dieser ungewöhnlichen Studie.

13.10.2017, Quelle: Field Museum

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