ie im östlichen Mittelmeer gelegene Insel Zypern ist nicht nur ein beliebtes Touristenziel, sondern auch eine archäologische Schatzkammer. Bereits in der Antike war Zypern ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Ost und West und zog aufgrund seiner Rohstoffe zahlreiche Siedler und Eroberer an. In der Sonderausstellung „Zypern – Insel der Aphrodite“ zeigt das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim eine große Auswahl archäologischer Funde, die von der Entstehung der europäischen Kultur erzählen.
Für die Sonderausstellung hat das Hildesheimer Museum über 200 Exponate, davon allein 120 Leihgaben aus zypriotischen Museen, zusammengetragen. Neben zahlreichen Skulpturen, Plastiken und Plaketten sowie Miniaturmodellen, Statuetten und Dekoren werden auch Keramiken und visualisierte Inschriften gezeigt, die die bisher weitgehend unbekannte Rolle Zyperns als Wiege der europäischen Kultur veranschaulichen sollen. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt unter anderem ein marmorner Torso der Aphrodite, den Taucher auf dem Meeresboden vor Nea-Paphos entdeckten. Der Statuentyp zeigt die Göttin, die einer Legende zufolge an der Westküste Zyperns aus dem Meer gestiegen sein soll, beim Auswinden ihres nassen Haares.
Im Mittelpunkt und somit besonderes Anliegen der Ausstellung ist es, auf die Bedeutung Zyperns bei der Entstehung der europäischen Kultur hinzuweisen. Auch soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Ost und West in der Antike nicht als Gegensatz, sondern als Partner verstanden wurden, die friedlich zusammen lebten und voneinander profitierten. So werden unter anderem die Vorzüge dieser multilateralen Beziehung, die auch für das 21. Jahrhundert Vorbild sein kann, eindrücklich thematisiert, weshalb nicht nur der Präsident der Republik Zypern, Demetris Christofias, sondern auch Bundeskanzlerin, Angela Merkel, die Schirmherrschaft für die Hildesheimer Ausstellung zu übernommen haben.
Nachdem Zypern kulturhistorisch lange Zeit im Schatten Griechenlands stand, machte es erstmals in den 1930er Jahren durch bedeutende antike Funde auf sich aufmerksam und wurde international bekannt. Dies führte 1935 zur Gründung des „Cyprus Department of Antiquities“, das sich um die Erhaltung archäologischer Stätten auf Zypern bemüht. Einen weiteren Aufschwung erlebte die zyprische Archäologie mit der Gründung der unabhängigen Republik Zypern 1960 und dem Interesse der eigenen kulturellen Vergangenheit.
Die Insel Zypern ist die drittgrößte des Mittelmeerraums. Geographisch gesehen gehört Zypern zu Asien, politisch wird es jedoch oft zu Europa gezählt. Aufgrund seiner zentralen Lage zwischen Europa, Asien und Afrika sowie seiner Rohstoffe fiel Zypern bereits in der Antike besondere Bedeutung zu. Vor allem das hohe Kupferaufkommen sowie dessen Verarbeitung und Export wurden für Zypern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und schließlich auch namensgebend (aes cyprium). Vom Reichtum der Insel und dem sagenhaften Geburtsort der griechischen Göttin Aphrodite angezogen, suchten zahlreiche Siedler und Eroberer Zypern auf. Sie hinterließen auf der Insel nicht nur etliche Spuren, sondern ließen auch phönizische und griechische Götter in die zypriotische Kultur mit einfließen. So hatte Zypern besonderen Anteil an der Entstehung der europäischen Kultur im 1. Jahrhundert v. Chr., die wesentlich durch den Austausch zwischen Orient und Okzident geprägt wurde.
06.02.2010, Quelle: Franziska Drescher