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Das Königreich Qatna (Stuttgart) – Alexander der Große (Mannheim) – Das Königreich der Vandalen (Karlsruhe)

Glanzvolles Ausstellungs-Trio im Südwesten

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ine Reise in den Südwesten Deutschlands ist in diesem Herbst und Winter ein Muss für alle Kulturinteressierten. Drei phantastische Ausstellungen erregen Aufsehen. Sie präsentieren alle neue Forschungsergebnisse und Funde, von denen viele erstmals ihre Fundländer verlassen und in Europa gezeigt werden.

Schätze des Alten Syrien. Die Entdeckung des Königreichs Qatna.
Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, 17. Oktober 2009 – 14. März 2010
Alexander der Große und die Öffnung der Welt
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, 3. Oktober 2009 – 21. Februar 2010
Das Königreich der Vandalen. Erben des Imperiums in Nordafrika
Landesmuseum Karlsruhe, 24. Oktober 2009 – 21. Februar 2010


Schätze des Alten Syrien. Die Entdeckung des Königreichs Qatna

Bis vor wenigen Jahren wussten nicht einmal vorderasiatische Archäologen sehr viel mit dem Königreich Qatna anzufangen, dessen Ausgrabung ja bereits in den 1920er Jahren begonnen hatte – und heute ist diese Herrschaft, eine der Großmächte des alten Syrien, in aller Munde. Zu verdanken ist das der aufwendigen Erforschung der Stadtlandschaft und des Palasts von Qatna und insbesondere der Entdeckung eines unberaubten Königgrabes, die einem deutsch-syrischen Archäologenteam unter Leitung von Prof. Dr. Peter Pfälzner (Universität Tübingen) und Dr. Michel al-Maqdissi (Damaskus) im Jahr 2002 gelang (ein Jahrhundertfund, den die Archäologen in diesem Jahr durch einen weiteren Fund ergänzten: eine – ebenfalls unberaubte – Felsgruft mit umfangreichem Grabinventar).

Die spektakulären Funde werden nun in einer großen Sonderausstellung erstmals in Europa im Landesmuseum Württemberg gezeigt. Die Ausstellungskuratorin Dr. Ellen Rehm geleitet die Besucher hilfreich, aber unaufdringlich durch eine fremde Welt: Sie ordnet das Reich ein in die internationalen Beziehungen seiner Zeit, die von Ägypten bis nach Mesopotamien und Anatolien reichten und führt etwa anhand von Lapislazuli (aus Afghanistan) oder Importen aus Ägypten den weitgespannten Fernhandel vor Augen. Auch der damaligen Frömmigkeit, den privaten Haushalten sowie Handwerk und Technik schenkt die Ausstellung die gebührende Aufmerksamkeit. Keinesfalls übersehen werden sollte die kleine Kammer mit Rollsiegeln!

Im Zentrum der Ausstellung stehen der Palast von Qatna und die Grabgruft. Die Monumentalität des Palasts wird in einer großen Videoinstallation deutlich. Eindrucksvoll veranschaulicht sie den Prestigecharakter, den Architektur in der damaligen Zeit besaß – nicht umsonst wollten die Könige von Qatna den größten Palast des Vorderen Orients bauen! Die kostbaren, feingearbeiteten Gefäße, der Möbeldekor aus Elfenbein, die anmutigen Wandmalereien usw., die in der Ausstellung präsentiert werden, vermitteln einen Eindruck vom damaligen Lebensstil am Hof.

Atmosphärisch besonders stark ist die Gruft gestaltet, zu der ein dem Original nachempfundener Gang führt. Es ist dunkel, fast bedrohlich, denn das Totenreich galt im Vorderen Orient als schreckensvoll. Hochkarätige Funde aus der königlichen Grablege illustrieren den Ahnen- und Grabkult: Ritualgefäße, Goldschalen, Perlen und Schmucksteine, Goldplättchen und Emaille… und natürlich die unbeschreiblich „lebendig“ wirkenden Figuren am Eingang zur Gruft, die den Besucher geradezu anzusehen scheinen.

Eindrucksvoll ist auch der Untergang Qatnas im Jahr 1340 v. Chr. inszeniert. Züngelnde Flammenwände signalisieren, dass die Hethiter die Stadt niederbrannten. Den verzweifelten Hilfebrief, den Qatnas Herrscher an seinen Verbündeten, den Pharao, schrieb, haben die Ausstellungsmacher im keilschriftlichen Original samt Übersetzung an die Wand projiziert; dazu wird der Text (wiederum samt Übersetzung) gesprochen: So könnte Akkadisch geklungen haben. Den Ausstellungsgestaltern BERTRON SCHWARZ FREY aus Ulm ist eine spannende, eindrucksvolle Präsentation gelungen. (Bildnachweis Startseite: Bridgeman/British Museum, London)


Alexander der Große und die Öffnung der Welt

Alexander der Große faszinierte schon seine Zeitgenossen, und seither hat sich nahezu jede Epoche ihr eigenes Bild von diesem Herrscher zurechtgelegt. Man rühmte sein Genie und verteufelte seine Grausamkeit, bewunderte seinen Wissensdrang und verdammte seine Maßlosigkeit. War er ein leuchtendes Vorbild oder war er wahnsinnig? Bei einer Annäherung an diesen zweifellos bemerkenswerten Herrscher hilft jetzt eine große Ausstellung in den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim weiter.

Ausgeleuchtet wird nicht nur sein Herkommen und der kulturelle Hintergrund, vor dem wir Alexander zu sehen haben, sondern auch die intensiven Kulturkontakte, die während und als Folge seiner Feldzüge stattfanden. Die Gigantomanie des Unternehmens veranschaulicht eine Karte von neun Metern Länge, auf der auch Alexanders Stadtgründungen, wichtige Schlachten und anderes mehr abgefragt werden können. Zusätzlich vermittelt ein Video einen dreidimensionalen Eindruck vom Verlauf des Alexanderzugs und belegt eindrucksvoll, welche gewaltigen geographischen Herausforderungen Alexander und sein Heer zu bewältigen hatten.

Mit großer Sorgfalt widmet sich die Ausstellung den Kulturen, auf die Alexander im Verlauf seiner Feldzüge traf, mit denen er sich intensiv auseinandersetzte und von denen er sich teilweise sogar beeinflussen ließ; insbesondere die Perser waren gleichzeitig Feind und Faszinosum. Ihrerseits hinterließ aber auch die griechische Kultur in weiten Regionen Zentralasiens langanhaltende Spuren, was in der Ausstellung hinreißende Exponate etwa aus Baktrien oder aus der Gandhara-Kultur im heutigen Pakistan belegen. Die atmosphärisch stimmige Präsentation, die mehr als 400 herausragenden Objekte, die klug beschriftet sind und in ihren historischen Kontext eingeordnet werden, sowie der besondere Ansatz, nach der Stimulanz von Kulturkontakten zu fragen, machen die Ausstellung sehr empfehlenswert – den Kuratorinnen Dr. Nicola Crüsemann, Dr. Gunvor Lindström und Dr. Ellen Kühnelt sowie dem Büro Visuelle Kommunikation Homann Güner Blum aus Hannover sei Dank!


Das Königreich der Vandalen. Erben des Imperiums in Nordafrika

Ebenso nachdrücklich sei der Besuch im Karlsruher Schloss empfohlen, in dem das Badische Landesmuseum das Königreich der Vandalen vorstellt: Den Kuratorinnen Dr. Astrid Wenzel und Susanne Erbelding sowie dem Stuttgarter Büro Ranger Design ist ein großer Wurf gelungen. Gleichermaßen spannend wie anmutig werden die rund 300 faszinierenden Objekte präsentiert, die das Landesmuseum vor allem aus Tunesien, aber auch von vielen weiteren Leihgebern erhalten hat. Es handelt sich um hochkarätige Mosaiken und Skulpturen, um Waffenfunde und Goldschmuck, um Terrakotten, gebrannte Tonkacheln und Münzen. Besonders hervorzuheben sind zwei Sarkophage mit eindrucksvollen Reliefs. Christliche Motive aus dem Alten wie aus dem Neuen Testament wechseln ab mit Landschafts- und Jagdszenen.

Die klug gestaltete Ausstellung zeigt dem Besucher den Weg der Vandalen vom heutigen Polen über Ungarn und Gallien nach Spanien, von wo aus im Jahr 429 rund 80.000 Menschen auf der Suche nach Wohlstand und Sicherheit nach Nordafrika übersetzten (in der Ausstellung wird dies informativ inszeniert). Bemerkenswert sind aber vor allem die rund 100 Jahre, die sie dann als Nachfolger des weströmischen Reiches in Nordafrika herrschten – wo sie sich alle Annehmlichkeiten römischer Zivilisation zu eigen machten und mit bemerkensweitem Eifer römische Kultur annahmen. In der Ausstellung wird dies vielfach belegt, so etwa in der Rekonstruktion einer römischen Villa, mit Gerätschaften und zahlreichen wunderschönen Kunstwerken.

Leicht verfremdete Schattenrisse der durch Europa ziehenden Vandalen an den Wänden, viele spannende Zitate aus römischen Quellen, anschauliche Modelle verschiedener Basiliken aus vandalischer Zeit (teils in Stein, teils in Holz nachgebaut) und nicht zuletzt das in Tunesien in Originalgröße kunstvoll nachgefertigte Bapisterium von Demna, ein in Mosaik gestaltetes großes Kunstwerk von einer ganz eigenen Heiterkeit, geben der Ausstellung ein besonderes Flair. In summa belegt sie eindrucksvoll, dass willkürliche Zerstörungen heute zu Unrecht als Vandalismus bezeichnet und damit mit den Vandalen assoziiert werden – grausamer als die anderen Völker der Völkerwanderungszeit waren sie mitnichten, und zur Kontinuität römischer Kultur in Nordafrika haben sie beträchtlich beigetragen.

Nicht vergessen werden sollte im Zusammenhang mit allen drei besprochenen Ausstellungen, dass die Forschung, auf der sie aufbauen und die sie in die Öffentlichkeit transportieren, sowie die aufwendige Ausstellungspräsentation Mittel erfordern, die weit über die Finanzierungsmöglichkeiten von Universitäten und Museen hinausgehen. Die Landesmuseen in Stuttgart und Karlsruhe haben zusätzliche Mittel aus dem Topf für Große Landesausstellungen erhalten. Die den Ausstellungen in Mannheim und Stuttgart zugrunde liegenden Grabungen und deren wissenschaftliche Aufarbeitung profitieren von Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn. Die Gerda Henkel Stiftung (Düsseldorf) finanzierte die wissenschaftliche Tagung zur Alexanderforschung, die parallel zum Ausstellungsbeginn stattfand. Und die Landesbank Baden-Württemberg sowie die Adolf Würth GmbH trugen als Hauptsponsoren mit namhaften Beträgen wesentlich zum großartigen Gelingen der Ausstellungen in Mannheim (LBBW) und Stuttgart (Würth) bei.

Alle drei Ausstellungen berücksichtigen auch die Interessen ausländischer Besucher und bieten die wichtigsten Informationen zusätzlich in Englisch bzw. in Französisch (Mannheim) an.

Auch Kinder und Jugendliche kommen jeweils zu ihrem Recht: Spezielle Audio-Guides, Kinder-Vitrinen (Stuttgart) bzw. ein auf das Thema zugeschnittener großer Werkstattbereich (Karlsruhe) lassen sie die Ausstellungen mit Gewinn und Vergnügen besuchen.

Alle drei Ausstellungsorte bieten ein umfangreiches Begleitprogramm an, das abgefragt werden kann unter:

http://www.schaetze-syrien.de
http://www.alexander-der-grosse-2009.de/
http://www.landesmuseum.de

Zu allen drei Ausstellungen liegen reichbebilderte Kataloge vor. Die Zeitschrift „DAMALS – Das Magazin für Geschichte und Kultur“ hat den Vandalen ihr Septemberheft gewidmet („Von Europa nach Nordafrika), Alexander dem Großen das Oktoberheft („Von Makedonien nach Asien“) und dem Königreich Qatna das Novemberheft („ein Sensationsfund aus Syrien“).

02.12.2009, Quelle: Dr. Marlene P. Hiller

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