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Antike

Griechenland: Schlüsselfaktor tektonische Bruchstellen?

Delphi ist für seine Position über einer geologischen Spalte bekannt. (Foto: Gargolas/iStock)

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elphi ist nur ein Beispiel: Brüche und Spalten, die bei Erdbeben entstanden sind, könnten für die Entwicklung der griechischen Zivilisation eine größere Rolle gespielt haben, als bisher gedacht. Die antiken heiligen Stätten und Stadtzentren befinden sich auffällig häufig direkt über tektonischen Verwerfungen, sagt ein britischer Wissenschaftler.

Im Fall des berühmten Orakels von Delphi ist der Zusammenhang eindeutig: Das Heiligtum für den Gott Apollon wurde über einer Spalte im Untergrund errichtet, aus der Gase aufstiegen, an denen sich eine Priesterin berauschte, um in Trance weissagen zu können. Heute ist klar, dass für diese besondere Quelle eine Störungslinie im Untergrund verantwortlich gewesen ist, die bei einem Erdbeben entstanden ist. Generell handelt es sich bei der Ägäis um eine Region mit starker seismischer Aktivität, was zu häufigen Erdstößen, vielen Verwerfungslinien sowie geothermalen Effekten führt.

Da Griechenland und die westliche Türkei mit seismischen Bruchstellen durchsetzt ist, scheint es nicht verwunderlich, dass sie auch viele antike Orte durchziehen, sagt Iain Stewart von der Universität von Plymouth. Doch seinen Untersuchungen zufolge zeichnet sich ab, dass die seismischen Linien in der Region in vielen Fällen nicht einfach unter irgendwelchen einstigen Stadtstrukturen verliefen, sondern mitten durchs Herz der heiligsten Strukturen der antiken Siedlungen führten. Demnach steht Delphi in dieser Hinsicht nicht allein da - beispielsweise scheinen auch Orte wie Mycenae, Ephesus, Cnidus und Hierapolis gezielt über Störungslinien erbaut worden zu sein, berichtet Stewart.

„Seit mehr als 30 Jahren bin ich fasziniert von der Rolle, die Erdbeben bei der Entwicklung der Landschaft in der Ägäis gespielt haben. Aber ich habe es immer als einen Zufall angesehen, dass sich viele wichtige Orte direkt an durch seismische Aktivität entstandenen Störungslinien befanden. Aber vielleicht war der Bau von Tempeln und Städten in deren Nähe eben noch systematischer als bisher gedacht", sagt Stewart.

Magische Quellen und Zugänge zur Unterwelt

Auch einige Überlieferungen, Mythen und Geschichten aus dem alten Griechenland scheinen die Theorie zu stützen. Es ist häufig von Abstiegen in die Unterwelt die Rede. Dies könnte sich auf Höhlensysteme oder Grotten an heiligen Orten beziehen, die durch seismische Aktivitäten entstanden sind. Auch scheint deutlich, dass sich die alten Griechen nicht von dem gefährlichen Aspekt der Bruchstellen abschrecken ließen. Im Fall von Delphi bauten sie das Heiligtum direkt auf der gleichen Fehlerlinie wieder auf, nachdem der Vorgängerbau im Jahr 373 v. Chr. zerstört worden war.

Stewart betont, dass er nicht glaubt, dass jede heilige Stätte im alten Griechenland auf einer Störungslinie erbaut worden ist. Aber es scheint, als ob die von seismischer Aktivität geschaffenen Bruchlinien oft zu einem besonderen kulturellen Status geführt haben. Deshalb wurden dort häufig berühmte Tempel und groß Städte erbaut, möglicherweise obwohl sich die Menschen über das Risiko bewusst waren, resümiert der Wissenschaftler.

21.09.2017, Quelle: Universität von Plymouth

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