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Westfalen

Klebrige Überraschung an Steinzeit-Speerspitze

Eine 13.000 Jahre alte Fischspeerspitze aus Knochen, unten die vergrößerte Ansicht der Kleberreste. (Foto: LWL/H. Menne)

A

n einer steinzeitlichen Speerspitze haben Archäologen den ältesten Nachweis von Bienenwachs als Klebstoff in Europa entdeckt. Schon vor 13.000 Jahren nutzten demnach unsere Vorfahren das Wachs, um ihre Speerspitzen zu befestigen. Entdeckt haben die Forscher die Wachsreste an einer Speerspitze, die bereits in den 1930er Jahren im nordrhein-westfälischen Landkreis Unna gefunden worden war. Erst jetzt enthüllten Analysen, dass die schwärzlichen Relikte Bienenwachs-Kleber sind.

Naturstoffe als Waffenkleber

Schon vor mehr als 100.000 Jahren wussten Menschen die Mittel der Natur geschickt für ihre Zwecke zu nutzten. Funde belegen, dass Neandertaler bereits damals aus Birkenrinde ein Pech herstellten, mit dem sie ihre Feuersteinklingen am Speerschaft befestigten. Im Süden Afrikas stellten frühe Vertreter des Homo sapiens wenig später sogar einen natürlichen Zweikomponentenkleber aus Akazienharz und eisenhaltigem Ocker her.

Jetzt haben Archäologen eine weitere, bisher unbekannte Variante eines Steinzeit-Klebstoffs entdeckt: Bienenwachs. Die entscheidenden Hinweise lieferte eine Speerspitze aus der Altsteinzeit, die bereits in den 1930er Jahren bei Flussbegradigungen im Landkreis Unna gefunden wurde. Die 13.000 Jahre alte Spitze ist aus Knochen gefertigt und mit Widerhaken versehen. Wahrscheinlich wurde sie einst zum Fischfang verwendet.

Klebstoffreste an Steinzeit-Speerspitze

Im unteren Bereich dieser Speerspitze haftete eine schwarze Substanz, wahrscheinlich Reste des Klebstoffs, mit dem die Spitze einst am Schaft befestigt war. Wegen ihrer dunklen Farbe wurde dieser Kleber bei der damaligen Untersuchung des Relikts für Birkenpech gehalten - den "Standardkleber" der mitteleuropäischen Steinzeit.

Worum es sich bei der schwärzlichen Substanz an der Speerspitze tatsächlich handelt, hat erst jetzt eine chemische Untersuchung enthüllt. Frank Mucha von der Fachhochschule und die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) unterzogen dafür eine Probe des steinzeitlichen Klebers modernen chemischen Analysemethoden und untersuchten sie unter dem Mikroskop.

Bienenwachs statt Birkenpech

Das überraschende Ergebnis: Es handelt sich nicht um Birkenpech, sondern um Bienenwachs. Damit liefert die 13.000 Jahre alte Speerspitze einen der frühesten Belege für eine solche Verwendung von Wachs. "Zum ersten Mal können wir jetzt nachweisen, dass schon in der europäischen Altsteinzeit Bienenwachs als Klebstoff verwendet wurde", erklärt LWL-Archäologe Michel Baales. "Offenbar haben die Menschen damals nicht nur den Honig genossen, sondern wussten auch, das Wachs zu nutzen."

Und noch etwas enthüllten die Analysen: Die Menschen der Altsteinzeit nutzten das Bienenwachs nicht einfach so, wie es aus der Wabe kam, sondern bereiteten es offenbar speziell auf. Die Klebstoffreste an der Speerspitze enthalten neben dem Wachs auch zerstoßene Holzkohle. Dies erklärt auch die ungewöhnlich dunkle Farbe dieses Klebers.

"Dieses Ergebnis liefert uns aber weitaus mehr Erkenntnisse als bloß das Rezept für steinzeitlichen Klebstoff", sagt Baales. Denn der Fund des Bienenwachses belegt gleichzeitig, dass die Europäische Honigbiene bereits kurz nach Ende der letzten Eiszeit wieder nördlich der Alpen vorkam - 2000 Jahre früher als bislang angenommen. Das Klima in Mitteleuropa muss demnach schon vor 13.000 Jahren wieder mild genug für die Rückkehr dieser Insekten gewesen sein.

24.10.2017, Quelle: LWL-Archäologie für Westfalen, Fachartikel: Antiquity, doi: 10.15184/aqy.2017.142

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