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Römische Antike

Malaria-Mücken plagten die Römer auf Sardinien

Eine Studie bringt Licht ins Dunkel der europäischen Malaria-Geschichte. (RolfAasa/iStock)

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as antike DNA alles verraten kann! Entgegen bisheriger Annahmen litten offenbar schon die alten Römer auf der Mittelmeerinsel Sardinien unter der Malaria. Dies belegt die Analyse des Erbguts eines antiken Inselbewohners, der bereits eine typische genetische Resistenz gegen die Erreger der Krankheit besaß.

Malaria ist nach wie vor eine der schlimmsten Plagen der Menschheit: Weltweit sind hunderte Millionen von dieser lebensgefährlichen Erkrankung betroffen, die durch infizierte Stechmücken übertragen wird. In Europa allerdings nicht mehr: Mitte des 20. Jahrhunderts konnte die Erkrankung schließlich auch aus den letzten Rückzugsgebieten verbannt werden - so auch von der Insel Sardinien. Es ist bekannt, dass die Geschichte der Plage in Südeuropa bis in die Antike reicht. Über Details dieser frühen Verbreitung gibt es allerdings noch viele offene Fragen, die Forscher momentan zu klären versuchen.

Im Fall Sardinien nahm man bisher an, dass sich die Infektionskrankheit auf der Insel erst im Mittelalter (500-1500) ausgebreitet hat. Forscher des Instituts für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich wollten es nun allerdings genau wissen und sind der Geschichte der Malaria auf Sardinien nun gezielt nachgegangen. Dazu wählten sie einen genetischen Ansatz - allerdings einen indirekten: Da fossile DNA von Malaria selbst nur sehr schwierig zu gewinnen ist, suchten sie stattdessen nach Indizien im menschlichen Erbgut.

Malaria-Geschichte im Spiegel des Erbguts

Im Fokus standen dabei sogenannte Thalassämien und andere genetische Adaptionen, die als Anpassung gegen Malaria entstanden sind. Thalassämien sind genetische Variationen, die eigentlich den Aufbau der roten Blutkörperchen stören. Dieser Effekt hat jedoch den Vorteil, dass die betroffenen Menschen schlechte Wirte für Malariaerreger sind. Sie sind deshalb teilweise immun gegen die Infektionen. Solche Thalassämien kommen noch heute relativ häufig in früheren Malaria-Gebieten vor.

Die entscheidenden Hinweise für die Geschichte der Thalassämien auf Sardinen gewannen die Forscher nun aus den rund 2000 Jahre alten Überreste eines Sarden aus der Römerzeit. Bei ihm konnten sie die genetische Variation für Thalassämie nachweisen. Das bedeutet: Wenn dieser Mann bereits eine genetische Anpassung an die Krankheit besaß, muss sie schon für einige Zeit die Inselbewohner geplagt haben. „Zudem konnten wir anhand der genetischen Merkmalere zeigen, dass der Römer genetisch höchstwahrscheinlich ein Sarde war und kein Zuwanderer aus anderen Regionen des Mittelmeerraumes", betont Claudia Vigano von der Universität Zürich. Die Krankheit hat sich demnach auf Sardinien nicht erst im Mittelalter ausgebreitet sondern bereits in der Antike.

„Unsere Studie zeigt die Wichtigkeit einer multidisziplinären Herangehensweise an Geschichte", sagt Co-Autorin Abigail Bouwman. „Wir erforschen die Evolution heutiger Krankheiten wie Malaria um zu klären, warum der menschliche Körper überhaupt krank wird und wie Anpassungen geschehen". In diesem Fall heißt also das Motto: Medizin im Spiegel der Geschichte und Geschichte im Spiegel der Medizin.

03.08.2017, Quelle: Universität Zürich

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