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Pazifik

Schicksal eines verschollenen Entdeckers geklärt?

Der französische König Ludwig XVI. gibt dem Seefahrer Comte de La Pérouse letzte Instruktionen vor seiner großen Expedition in den Pazifik. (State Library of NSW)

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er französische Seefahrer Comte de La Pérouse war einer der berühmtesten europäischen Entdecker in der Pazifikregion. Doch 1788 verunglückten er und seine Schiffe in der Südsee - sein weiteres Schicksal blieb unbekannt. Jetzt könnten Forscher entscheidende Hinweise entdeckt haben. Der historische Bericht eines Schiffbrüchigen deutet darauf hin, dass der Entdecker nicht in der Südsee, sondern vor der Nordküste Australiens starb.

Ein französisches Gegenstück zu James Cook

Nachdem der Brite James Cook Mitte des 18. Jahrhunderts mit seinen Entdeckungsreisen in ganz Europa für Aufsehen gesorgt hatte, sollte Jean François de Galaup, Comte de La Pérouse, es ihm gleichtun und die Ehre Frankreichs wiederherstellen. Der erfahrene Navigator und Seefahrer erhielt 1785 vom französischen König Ludwig XVI. den Auftrag, nun seinerseits eine Expedition in den Pazifik durchzuführen.

Am 1. August 1785 stieß La Pérouse mit zwei Schiffen und 225 Seeleuten, Offizieren und Wissenschaftlern in See. Von Frankreich aus segelte er zunächst über den Atlantik bis nach Patagonien, umschiffte Kap Horn und erreichte erst Hawaii, dann die Küste Alaskas. Nach einer Tour entlang der Westküste Nordamerikas überquerten die beiden Schiffe dann den Pazifik Richtung Asien.

Nach einem Stopp in Macau konzentrierte sich die Expedition darauf, die damals noch kaum bekannte Ostküste Chinas und Kamtschatkas zu kartieren und zu erforschen. Auch die Südsee stand auf dem Plan. Im Gegensatz zu vielen anderen Seefahrern legte La Pérouse dabei seinen Schwerpunkt auf die Erkundung und wissenschaftliche Arbeit und verzichtete darauf, Inseln zu erobern oder für sei Land in Anspruch zu nehmen. "La Pérouses Entdeckungsreise im Pazifik gilt als eine der bedeutendsten seiner Zeit", erklärt Garrick Hitchcock von der Australian National University (ANU).

Verschollen in der Südsee

Im Februar 1788 schrieb La Pérouse in einem aus Sydney abgeschickten Brief, die Expedition werde nun Tonga und die Salomonen ansteuern. Doch die Schiffe und Mannschaften kamen nie an ihrem Ziel an. Erst 30 Jahre später fand eine Suchexpedition Wrackteile und Ausrüstungsgegenstände auf der Salomoneninsel Vanikoro - offenbar hatte die Expedition hier Schiffbruch erlitten. Lange glaubte man deshalb, dass La Pérouse und seine Männer auch dort gestorben seien.

Doch gibt es daran Zweifel, wie Hitchcock berichtet. Einigen Berichten nach könnten die Männer den Schiffbruch doch überlebt haben. Aus den Wrackteilen eines der Schiffe sollen sie ein zweimastiges Boot gebaut und damit versucht haben, zurück in kolonisierte Gebiete zu gelangen. "Was aber dann aus dem Schiff und seiner Crew wurde, blieb bis heute rätselhaft", erklärt der Historiker.

Bericht eines Schiffbrüchigen

Jetzt könnte ein Zufallsfund dieses Rätsel lösen. Denn Hitchcock hat den Bericht eines indischen Seemanns entdeckt, der 1814 nördlich von Queensland Schiffbruch erlitten hatte. Shaik Jumaul strandete damals auf Murray Island und lebte dort vier Jahre unter den Eingeborenen, bis er von zwei Handelsschiffen gerettet wurde. "Jumaul erzählte seinen Rettern damals, dass er Musketen und Säbel, sowie einen Kompass und eine goldene Uhr auf der Insel gesehen habe - und dass diese nicht englischen Ursprungs waren", berichtet Hitchcock.

Die Insulaner berichteten Jumaul, dass diese Gegenstände von einem Schiff stammten, das 30 Jahre zuvor am Great Barrier Reef, in Sichtweite ihrer Insel, auf Grund gelaufen war. Die Mannschaft des gestrandeten Schiffs konnte sich zwar auf die Murray-Insel in der Torres-Straße retten. Doch in Kämpfen mit den Eingeborenen wurden schließlich alle "Fremden" bis auf einen halbwüchsigen Jungen getötet, so der Bericht Jumauls.

Gestrandet in der Torres-Straße?

Nach Ansicht von Hitchcock passen diese Schilderungen auffallend gut zur Ausrüstung und Mannschaft von La Pérouse. Denn laut Besatzungsliste nahm auch ein Jugendlicher an der Expedition teil. "Die Chronologie passt perfekt, denn die Überlebenden der Expedition müssen Ende 1788 oder Anfang 1789 Vanikoro in ihrem kleinen Schiff verlassen haben - ziemlich genau 30 Jahre vor Jumauls Schiffsunglück", so Hitchcock. "Zudem kennen Historiker und Marine-Archäologen kein anderes europäisches Schiff, dass zu jeder Zeit in dieser Region unterwegs war. Es könnten daher sehr gut sein, dass die Expedition von La Pérouse in der Torres-Straße vor Australien ihr tragisches Ende fand."

Die Torres-Straße ist eine Meerenge zwischen der Nordküste Australiens und Neuguinea, die für ihre Riffe, Klippen und Sandbänke berüchtigt ist. Am Nordende des Great Barrier Reef gelegen, wurde die schwer zu navigierende Meerespassage bereits mehr als 120 Schiffen zum Verhängnis, wie Hitchcock erklärt. Er hält es daher für durchaus wahrscheinlich, dass auch La Pérouse und seine Mannschaft hier ihr endgültiges Ende gefunden haben könnten. Eine Suche nach Wrackteilen könnte dies klären.

05.09.2017, Quelle: Australian National University

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