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Jungsteinzeit

Seite an Seite: Frühe Bauern und Jäger-Sammler

Dem frühsteinzeitlichen Erbgut auf der Spur: Probenahme an einem Schädel. (Foto: Anett Osztas)

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ie war das Verhältnis zwischen den ersten Bauern Europas und den ansässigen Jägern und Sammlern? Studienergebnisse legen nun nahe, dass beide Gruppen in der Jungsteinzeit noch lange nebeneinander existierten. Später gingen die lokalen Jäger-Sammler-Gruppen dann aber in den Populationen der benachbarten Bauern auf. Durch diese Assimilation entstand in den verschiedenen Regionen ein genetischer "Lokalkolorit", anhand dessen sich die unterschiedlichen Frühbauern-Gruppen in Europa unterscheiden lassen, berichten die Forscher.

Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Verbreitung der Landwirtschaft im Laufe der Jungsteinzeit eher weniger das Ergebnis eines Ideentransfers war, sondern im Zuge einer Besetzung stattfand: Bauern aus dem Nahen Osten brachten diese revolutionäre Lebensweise mit sich, als sie sich über Europa ausbreiteten. Untersuchungen von fossilem Erbgut haben entsprechend gezeigt, dass die frühen Bauern in Europa - von der Iberische Halbinsel, über Mitteleuropa bis nach Südskandinavien - gemeinsame Vorfahren im Nahen Osten besaßen.

Diese frühen Bauern scheinen die ansässigen europäischen Jäger-Sammler verdrängt zu haben. Doch wie muss man sich das vorstellen? Wurden die Jäger-Sammler durch Krieg oder Krankheit ausgelöscht, oder wurden sie eher assimiliert? Um Einblicke in diese Fragen zu gewinnen, hat das internationale Forscherteam nun untersucht, inwieweit die frühen Bauern auch das Erbgut der ursprünglich ansässigen Jäger-Sammler in sich trugen. Die Wissenschaftler untersuchten dazu fossiles Erbgut, das von 180 frühen Farmern von der Iberischen Halbinsel, der Region Nordmitteleuropa und des Karpatenbeckens stammt. Die Proben deckten die Zeitspanne von 6000 bis 2200 v. Chr. ab, um Populationsentwicklungen erfassen zu können. Diese genetischen Daten konnten die Forscher mit Erbgutinformationen von Jäger-Sammlern vergleichen.

Zunehmende Interaktionen

Es zeichnete sich ab: Der Prozentsatz des Jäger-Sammler-Erbes bei den Bauern erreichte zwar nie hohe Werte, er nahm aber mit der Zeit zu. Dieser Befund deutet darauf hin, dass die Jäger und Sammler bei der Ankunft der Bauern nicht vertrieben oder ausgerottet wurden. Vielmehr scheinen die beiden Gruppen koexistiert zu haben - mit zunehmenden Interaktionen. Anhand bestimmter Merkmale in dem fossilen Erbgut waren auch Rückschlüsse über den Zeitrahmen möglich, in dem diese Koexistenz und Vermischung anhielt. "Wir fanden heraus, dass es über viele Jahrhunderte hinweg einen kontinuierlichen Genfluss gegeben hat", sagt Co-Autor David Reich von der Harvard Medical School.

Außerdem zeigen die genetischen Daten: Die Farmer mischten sich an jedem Standort nur mit Jägern und Sammlern aus ihrer eigenen Region. Das bedeutet: Bauern von der Iberischen Halbinsel unterschieden sich von den Farmern im Karpatenbecken in charakteristischer Weise durch die Erbgutbeimischungen der speziellen dort ansässigen Jäger-Sammler. "Eine Neuheit unserer Studie ist somit, dass wir frühe europäische Bauern nun durch ihre spezifische lokale Jäger-Sammler-Signatur unterscheiden können", sagt Co-Autorin Anna Szecsenyi-Nagy von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

17.11.2017, Quelle: Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte

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