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Totes Meer

Skelettfunde liefern Hinweise auf Verfasser der Qumran-Schriftrollen

Wer die berühmten Schriftrollen von Qumran niederschrieb, ist bis heute ungeklärt. (Foto: alefbet/iStock)

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eue Funde in der Nähe der Höhlen von Qumran am Toten Meer könnten neues Licht auf die Verfasser der biblischen Schriftrollen werfen. Denn Archäologen haben in einem dortigen Gräberfeld 33 Skelette entdeckt, die 2200 Jahre alt sind und nahezu ausschließlich von Männern verschiedenen Alters stammen. Damit lebte diese Männergemeinschaft genau zu der Zeit, als die Schriftrollen von Qumran niederschrieben wurden - könnte es sich um ihre Verfasser oder Hüter handeln?

Wer waren die Verfasser der Schriftrollen?

Vor 70 Jahren machten Beduinen einen sensationellen Fund: In einer der vielen Höhlen in der Nähe von Khirbet Qumran am Toten Meer fanden sie Tonkrüge, in denen uralte Schriftrollen aus Pergament und Papyrus lagen. Nähere Untersuchungen ergaben, dass die Rollen und Fragmente aus der Zeit von 250 vor bis 50 nach Christus stammten. Sie enthielten Texte aus der Bibel und Kommentare dazu. Bis heute gelten die Schriftrollen vom Toten Meer als einzigartige Dokumente des jüdischen Glaubenslebens zur Zeit der Urchristen.

Doch wer hat diese Texte verfasst? Einer Theorie nach gehörten die Schreiber der Sekte der Essener an, einer in zeitgenössischen Schriften erwähnten Gruppe religiöser Asketen, die in dieser Gegend gelebt haben sollen. "Doch trotz mehr als 60 Jahren der Forschung hat die Archäologie uns bisher keine überzeugenden Beweise für diese Verbindung geliefert", sagt Yossi Nagar von der israelischen Antikenbehörde.

Auch die in einem antiken Friedhof nahe Qumran entdeckten Skelette aus jener Zeit boten bisher kaum Anhaltspunkte dazu, was für Menschen hier damals gelebt haben und in der Nähe der Qumranhöhlen begraben wurden. "Die Toten aus dem Friedhof von Qumran wurden je nach Theorie für Soldaten, Eisenzeit-Menschen oder sogar Beduinen gehalten", so Nagar.

Skelette fast nur von Männern

Jetzt jedoch könnten neue Funde im Gräberfeld von Qumran entscheidende Hinweise zu den Verfassern der Schriftrollen liefern. Nagar und seine Kollegen haben im letzten Jahr dort 33 weitere Skelette entdeckt und geborgen. Vorläufigen Radiokarbondatierungen nach sind sie rund 2200 Jahre alt - sie stammen damit etwa aus der Zeit in der die Qumran-Texte niedergeschrieben wurden.

Um herauszufinden, ob es sich bei den Toten um Männer, Frauen oder Kinder handelte, haben die Archäologen die Skelette vermessen und die Knochenstruktur analysiert. Dabei zeigte sich: 30 der 33 Toten waren höchstwahrscheinlich Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Bei den restlichen drei konnten Alter und Geschlecht nicht eindeutig bestimmt werden. Wie die Forscher berichten, ergab auch die Neuanalyse von 53 bereits früher gefundenen Toten aus Qumran einen Überschuss von Männern im mittleren Alter.

Eine enthaltsame Gemeinschaft

Nach Ansicht der Archäologen deutet die fast völlige Abwesenheit von Frauen und Kindern darauf hin, dass es sich hier nicht um die Bewohner einer gewöhnlichen Siedlung handelte. Weil Verletzungsspuren an den Skeletten fehlen und auch ältere Männer hier begraben wurden, sei es auch eher unwahrscheinlich, dass es sich bei den Toten von Qumran um Soldaten handelte, wie eine der Theorien annimmt.

"Ich weiß nicht, ob dies die Menschen waren, die die Schriftrollen vom Toten Meer produzierten, aber unsere Funde stützten die ursprüngliche Theorie, nach der in Qumran eine religiöse Gemeinschaft von zölibatär lebenden Männern lebte", sagt Nagar. "Die hohe Konzentration von erwachsenen Männern verschiedenen Alters, die in Qumran begraben wurden, ist dem sehr ähnlich, was man in den Friedhöfen byzantinischer Klöster findet."

Die neuen Funde könnten damit zumindest Hinweise darauf liefern, dass die Essener wirklich existierten und vor rund 2200 Jahren in der Nähe der Qumranhöhlen lebten. Möglicherweise waren diese asketisch lebenden Männer demnach doch die Verfasser oder aber Hüter der Schriftrollen vom Toten Meer.

22.11.2017, Quelle: American Schools of Oriental Research annual meeting

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