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Technikgeschichte

Ursprungsort der Metallurgie widerlegt

Kupferperle von Catalhöyük. Sie besteht aus sehr reinem Kupfer, wie es in der Natur gelegentlich als Metall vorkommt. (Foto: M. Radivojevic / CC-BY-NC-SA https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/legalcode)

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ie Metallverarbeitung wurde vermutlich mehrmals unabhängig voneinander erfunden und geht nicht auf die steinzeitliche Siedlung von Catalhöyük in Vorderasien zurück, wie bisher vermutet. Dies legen neue Analyseergebnisse der 8500 Jahre alten Schlackereste nahe, die in Catalhöyük entdeckt worden waren. Offenbar entstanden sie doch nicht durch die Verhüttung von Kupfererz, sondern nur zufällig bei einem Hausbrand.

Wo und wann haben Menschen also die Metallverarbeitung erfunden? Bisher galt eine kleine Menge von Kupferschlacke aus Catalhöyük als frühester Beleg für die pyrometallurgische Gewinnung von Kupfer aus Erzen. Die Siedlung existierte etwa von 7100 bis 6000 v. Chr. und gilt als einer der wichtigsten Fundorte, die Einblicke in die Entwicklung des Siedlungswesens ermöglichen.

Die Kupferschlacke stammt aus einer Schicht von Catalhöyük, die auf 6500 v. Chr. datiert wurde, und war damit 1500 Jahre älter als alle anderen frühen Spuren der Kupferverhüttung. „Der Fund schien den Geburtsort der Metallurgie anzuzeigen, von dem aus sich diese Technik langsam in alle Richtungen verbreitete", sagt Ernst Pernicka, Leiter des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie an der Universität Heidelberg.

Um die Merkmale und den möglichen Ursprung der Kupferschlacke aus Catalhöyük genauer aufzuklären, haben Pernicka und seine Kollegen das Material nun erneut modernen Analyseverfahren unterzogen. Wie sie berichten, spiegelt sich in bestimmten Merkmalen der chemischen Zusammensetzung des Materials wider, dass es nicht durch Verhüttung entstanden ist, wie bisher gedacht. Es handelt sich danach wohl eher um ein Zufallsprodukt eines Hausbrandes, bei dem die Hitze Kupfererze verschlackte. Wahrscheinlich hat es sich bei dem Ausgangsmaterial um grünes Kupfererz gehandelt, das man damals als Farbpigment nutzte, erklären die Forscher.

Hinweis auf verschiedene Entstehungsorte der Metallurgie

Wie die Wissenschaftler betonen, verwendeten Menschen bereits seit der Jungsteinzeit vor rund 10.000 Jahren Kupfer. „Dennoch können wir nicht von einer richtigen Metallurgie sprechen, weil es sich durchwegs um gediegen Kupfer gehandelt hat - also Naturkupfer", erläutert Pernicka. Kupfer kommt in der Natur als Metall vor und wurde wohl lange nur als eine besondere Art von Stein angesehen und genutzt. Erst die gezielte Herstellung von Metallen aus Erzen läutete dann die neue Epoche in der Menschheitsgeschichte ein. Deshalb ist es eine so interessante Frage, wann und wo Menschen erstmals Kupfer pyrometallurgisch gewannen und verarbeiteten.

Die neuen Ergebnisse zur Kupferschlacke aus Catalhöyük rücken somit nun erneut die nächsten frühen Belege für die Gewinnung von Kupfer aus Erzen in den Vordergrund. Sie stammen einerseits aus Südosteuropa und andererseits aus dem Iran und sind ungefähr im gleichen Zeitrahmen entstanden: um 5000 v. Chr. Es scheint daher wahrscheinlich, dass sich diese epochale Entwicklung der Menschheit an mehreren Orten vollzogen hat, resümieren Pernicka und seinen Kollegen.

08.09.2017, Quelle: Universität Heidelberg

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